Lese wild & gefährlich

Im Rahmen von „unzensiert lesen“

Veranstaltungsreihe Februar – Juni 2011 im XB-Liebig (Liebigstr. 34, Friedrichshain)

Dienstag, 15. Februar 2011, 20 Uhr im XB-Liebig
Jörg Sundermeier liest Gisela Elsner
Gisela Elsner (1937 – 1992): Flüche einer Verfluchten – Kritische Schriften 1 und Im literarischen Ghetto – Kritische Schriften 2
In diesen beiden Bänden sind Gisela Elsners Schriften erstmals in Gänze wahrnehmbar. Im ersten Band der Kritischen Schriften finden sich ihre politischen Artikel und ihre Schriften zum Kommunismus. Im zweiten ihre literatur- und kulturkritischen Essays. Ob die Grünen, Kafkas Werke, die DKP oder Frauenmagazine – all diese Themen werden mit der gleichen sprachlichen Schärfe analysiert!


Freitag, 29. April 2011, 20 Uhr im XB-Liebig
Egon Neuhaus: „Spinnewipp“ Autobiographischer Roman

Der kleine Egon Neuhaus ist sehr dünn, ein „Spinnewipp“, ein Spinnweben. 1933 kommt er ins Heim. Dort entdeckt er seinen rebellischen Geist. Er erlebt die ersten sechs Jahre des „Dritten Reichs“ hauptsächlich in Erziehungsanstalten, die zweite Hälfte übersteht er knapp in der Wehrmacht und gerät bis 1947 in russische Gefangenschaft. Da er keine Arbeit findet, schlägt er sich als Schmuggler, auf dem Bau und später als „Goldgräber“, als Schrottsammler durch. Nebenher beginnt er zu zeichnen. „Spinnewipp“ ist nicht einfach eine Autobiographie, sondern ein Roman, der das Leben all jener schildert, die bei den Nazis, im Krieg und in der Nachkriegszeit ganz unten waren. Gelesen von Evelyn Rahm.

Freitag, 13. Mai 2011, 20 Uhr im XB-Liebig
Rudolf Lorenzen: „Ohne Liebe geht es auch“ Roman

„Ohne Liebe geht es auch“ ist die Geschichte einer Familie über vier Generationen, in der die Lieblosigkeit zu Hause ist. Es beginnt mit dem Ende des Deutsch-Dänischen Krieges in der Hafenstadt Flensburg. Stets geht es auch um die Rivalität zwischen Dänen und Preußen, die abwechselnd die Mehrheit in Nordschleswig bilden. Die Ereignisse bleiben nicht ohne Einfluss auf die Familie, denn ein prominenter Österreicher ist ihr Ahnherr – Erzherzog Ludwig Victor, ein Außenseiter der Habsburger Dynastie. Rudolf Lorenzen wurde 1922 in Lübeck geboren und wuchs in Bremen auf. Seit 1955 lebt er als freier Schriftsteller in Berlin. Er veröffentlichte bislang vier Romane und zahlreiche Arbeiten für Zeitschriften, Rundfunk und Fernsehen. Gelesen von Jörg Sundermeier.

Freitag, 27. Mai 2011, 20 Uhr im XB-Liebig
Rery Maldonado, Nikola Richter (Hg.) „Los Superdemokraticos“ Eine literarische politische Theorie

Unsere Welt ist supervernetzt, superglobalisiert und superkomplex. Sind wir daher auch superdemokratisch? Internationale Autorinnen und Autoren aus Deutschland und Lateinamerika entwickeln in kurzen Essays ein eigenes politisches Vokabular, um über Liebe, Politik, Arbeit, Migration und Literatur im 21. Jahrhundert zu schreiben. Wie fern sind wir uns – und wie nah? Und wie kommen wir uns überhaupt näher als politische Subjekte? Über das Netz? In Gedanken? Beim Reagieren? Ein Buch auf der Suche nach intellektuellem Fairtrade. Gelesen von den Herausgeberinnen.

Freitag, 10. Juni 2011, 20 Uhr im XB-Liebig
Peter O. Chotjewitz: „Fast letzte Erzählungen 3 und 4“

In diesen beiden Erzählungsbänden geht es, wie in den bereits erschienenen Bänden 1 und 2, um die ganze Welt. Um ihre Erfassung. Um ihr Sosein. Es geht um Schillerbrezeln, um die Schönheit des Vollmonds, um Unwörter, um die Leiche im schwarzen Sack, um den Traumberuf Stalin, um das Elend der deutschen Literaturkritik, Richard Wagners Koffer, um Luxemburg als Metapher, um das Rauchen auf Kunstmessen, den Abt Sturmius und tote Päpste, die RAF, das Vanitas-Motiv, Lokalhistoriker und Antisemitismus. Chotjewitz lobt die Faulheit, wünscht den Ärtsten (sic) den Tod und betreibt Ahnenforschung. Peter O. Chotjewitz wurde 1934 in Berlin geboren und starb 2010 in Stuttgart. Gelesen von Jörg Sundermeier.

Großartiger Abschluss der Lesereihe „Lese wild und gefährlich“
Freitag, 24. Juni 2011, 20 Uhr in der K9 (Kinzigstr.9)
Ronald M. Schernikau „Königin im Dreck“

Dieses Buch versammelt erstmals Beiträge von Ronald M. Schernikau für Zeitungen, Journale und Anthologien. Seine Texte gehen den brennenden Fragen des Sozialismus nach: Wieso sind die Schlager der DDR so gut? Was macht ein revolutionärer Künstler ohne Revolution? Ficken mit AIDS? Das Besondre am Sonett? Wie wird ein Brötchen ein Brötchen im Sozialismus? Wofür verkaufe ich mich eigentlich, wie gehe ich mit Größe durch den Schund der Zeit? Die umfassende Auswahl belegt noch am kleinsten Text Schernikaus Zugriff: Leben ohne Haltung, Kunst ohne Politik wird nicht zu haben sein. Es liest der Herausgeber des Buches Thomas Keck, der auch die Website schernikau.net betreut.
Ronald M. Schernikau, geboren 1960 in Magdeburg, DDR, aufgewachsen in Hannover, BRD. 1980 Umzug nach Westberlin, Studium der Germanistik, Philosophie und Psychologie. Ab 1986 Studium am „Institut für Literatur Johannes R. Becher“ in Leipzig, DDR. 1989 Staatsbürgerschaft der DDR und Übersiedlung nach Berlin. Dramaturg Hörfunk und Fernsehen bis zu seinem Tod 1991.

Lesungen 29. April – 10. Juni 2011, jeweils Freitags, um 20 Uhr im XB-Liebig (Liebigstr. 34, Friedrichshain)
präsentiert von RiceUp-Vokü, Infoladen Daneben & Verbrecherverlag

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