Archiv der Kategorie 'Texte'

Auf der Suche nach dem Asylknast auf dem Flughafen Schönefeld BBI

Einfach mal raus… Zwischen den Jahren bieten sich längere Spaziergänge und Touren durchs Berliner Umland an. Diesmal besuchten wir den Flughafen Schönefeld und ließen uns auf eine 2 Stündige BusTour über die Baustelle ein.
Auf dem Gelände des neuen Flughafens BBI soll nämlich auch ein Gewahrsam für Flüchtlinge gebaut werden (bei der Bustour natürlich kein Wort darüber). Hier sollen sie nach der Landung im exterritorialen Bereich des Flughafens festgehalten werden während das Bundesamt für Migration über ihren Asylantrag im Eilverfahren entscheidet. Angeblich sollen 30 Haftplätze und Büroräume auf 500m2 entstehen. Wo genau weiß niemand. Baugenehmigung für einen Anbau an ein bereits bestehendes Gebäude ist erteilt worden. Es soll einen Außenbereich mit Spielplatz geben.
Ein halbes Jahr vor Eröffnung haben wir uns auf dem Flughafengelände nahe dem jetzigen Terminal A (Flughafenverwaltung, Karte bei Wikipedia) umgeschaut. In der Nähe soll nicht nur der militärische Sicherheitsbereich und der Regierungsflughafen entstehen, sondern auch der Asylknast.


Wie wäre es mit dem Gebäude Kirchstraße 17? Vergitterte Fenster, alter Kasten und in der Nähe von BGS, Flughafenverwaltung und Hochsicherheitsbereich. Alle Bilder auf Flickr

Audiodokument: Mit dem Bus der Airport-World über die Baustelle. Die Flughafengesellschaft erklärt welche Firmen beteiligt sind (für begeisterungsfähige Fans von Großbaustellen) Stand Dezember 2011. Direktdownload unter Divshare.

Wehrmachtsgespräche: „Soldaten – Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“

Die Antifa Friedrichshain hat das Buch „Soldaten – Protokolle vom Kämpfen, Töten und Sterben“ von Sönke Neitzel und Harald Welzer bei ihrem Offenen Antifa Cafe im Vetomat am 20.10.2011 vorgestellt und als Beitrag zur Entschuldung ehemaliger Wehrmachtsangehöriger kritisiert. Viel zu selten werden solche Veranstaltungen verschriftlicht. Diese gibt es jetzt sogar als PDF (ausgedruckt natürlich im Infoladen Daneben). Wir dokumentieren den Veranstaltungstext. Andere Rezenssionen zu dem Buch u.a. VVN-BdA und Junge Welt

Veranstaltungsskript: Wehrmachtsgespräche (mehr…)

13.10. Alternative Autonome Vollversammlung

Brauchen wir eine spektrenübergreifende autonome, linksradikale, anarchistische Vernetzung in Berlin? Wenn ja wofür? Und wie könnte diese aussehen? Über diese Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren. Es lädt ein ein Berliner Nachbereitungstreffen des Kongress für autonome Politik in Köln.

Wann? 13. Oktober Wo? Versammlungsraum im Mehringhof.

Antifa Friedrichshain deckt auf: Rechte KandidatInnen im Bezirk

Fazit für alle die den langen Text nicht lesen wollen
NPD: 3 Nazis treten an. Keiner von denen ist in Friedrichshain gemeldet oder war schon mal hier. Mit Enrico Domroese wurde ein Hammerskin und mit Matthias Faust immerhin der Vizevorsitzende der Partei ins rennen geschickt. Vergeblich. Von Wahlkampf der NPD war in Friedrichshain-Kreuzberg wenig zu spühren – wenn wir von der militanten „Ausländer Raus“-Kampagne der Kameradschaftler mal absehen.

Pro Deutschland: Augen reiben! Was sind das bloß für Leute, die da verpflichtet wurden? Ex-CDU und Republikaner, unbekannte Renter, fundamentalistische Christen und ein halbwegs bekannter Schauspieler. Dafür war der Wahlkampf pompös. gleich zwei größere Veranstaltungen, zahlreiche Stände, tausende Plakate und Postwurfsendungen mit islamfeindlichen paranoiden Inhalt. Was hat die Partei nur gegen diesen Bezirk?

„Die Freiheit“: Schlecht mobilisiert durfte „Die Freiheit“ nur eine kleine Liste aufstellen. Darauf tummeln sich aber ziemlich prominente Gestalten. Der „Danke Thilo!“-Mann, ein erfolgreicher Grafiker und ein halbwegs bekannter Regisseur und der Ex-FDPler Edgar Glatzel, der den Bezirksverband der Liberalen, sowie seinen BVV-Sitz zugunsten der Freiheit verließ. Materialschlacht ähnlich wie „Pro“ mit Fokus auf Plakate.

Was das nur für Leute?

Rechte KandidatInnen für die Berlin-Wahlen in Friedrichshain-Kreuzberg

Einiges musste mensch sich im Wahlkampf 2011 gefallen lassen. Die NPD will wieder „Gas geben“, die neue rechtspopulistische Partei „Pro Deutschland“ spricht von einer „Hauptstadt der Angst“ und instrumentalisiert den SPD-Rechtsabweichler Sarrazin für sich; und die v.a. islamfeindliche Partei „Die Freiheit“ bietet ihren einzigen Trumpf, den ehemaligen CDUler und noch Mitglied des Abgeordnetenhauses Rene Stadtkewitz an. Drei rechte Parteien mit großem Geltungsdrang, die sich auch öfters in Friedrichshain-Kreuzberg blicken ließen.
Der erste große Run begann bei der Sammlung von Unterschriften für den Wahlantritt. Vor allem mit Wahlkampfständen am SEZ (Landsberger Ecke Danziger), RingCenter und am Mehringdamm machte „Pro Deutschland“ auf sich aufmerksam. Außerdem führte die Partei eine Kundgebung am Frankfurter Tor (Motto „Kreuzberg: Demokratiefreie Zone?“) durch – ausgerechnet am 17. Juni – von 300 Gegendemonstranten bedrängt und von der Polizei eingegittert. Eine durchgeklagte Wahlkampfveranstaltung im Kreuzberger Rathaus am 30. Juni musste ausfallen weil hunderte GegnerInnen den Eingang blockiert hielten. Bereits im Februar und März hatte „Pro-Deutschland“ islamfeindliche Postkarten in Friedrichshain gesteckt.
„Die Freiheit“ hatte zu wenige Mitstreiter um solch eine Tour auf die Beine zu stellen und schaffte es nicht in Friedrichshain genügend Unterschriften einzusammeln. Angeblich hat sich im März der Ortsverband der Partei gegründet. Für Erstaunen sorgte der FDP-Bezirksverordnete Edgar Glatzel aus Friedrichshain-Kreuzberg der im April zur „Die Freiheit“ überlief und auch bei kleineren Verteilaktionen auf der Skalitzerstraße anzutreffen war.
„Pro Deutschland“ und „Die Freiheit“ plakatierten intensiver an der Landsberger Allee, Karl Marx Allee, auf der Oberbaumbrücke und am anderen Spreeufer in der Köpenicker Straße.
Und die NPD? Bei der groß angekündigten NPD-Plakatieraktion in der Nacht auf den 8. August blieb Friedrichshain, bis auf die Landsberger Allee, verschont. Außerdem provozierte die NPD in Kreuzberg mit Plakaten in der Stresemannstraße, bei der Moschee am Columbiadamm („Guten Heimflug“) und vor dem Jüdischen Museum. Eine Häufung von NPD-Aufklbern war um den Strausberger Paltz zu verzeichnen.
Ein weiterer Aspekt sind nicht-legale Aktionen, die den NPD-Wahlkampf unterstützen sollten. Darunter fällt z.B. der Angriff auf das Büro der Linken-Abgeordneten Halina Wawzyniak im Mai, sowie ein Aufmarsch von „Autonomen Nationalisten“ unter dem Motto „Ausländer raus“ ebenfalls im Mai am Mehringdamm. Schon im April hatten Neonazis am RingCenter eine spontane Kundgebung abgehalten und Flyer zur sog. „Ausländer-Raus-Kampagne“ verteilt.

Die KandidatInnen in Friedrichshain-Kreuzberg

NPD (keiner der Bezirkskandidaten steht auf der Landesliste der Partei)

1. Matthias Faust, 1971, wohnt angeblich in der NPD-Bundeszentrale in Köpenick.
Der Hamburger Matthias Faust war bis zur Fusion von DVU und NPD der Bundesvorsitzende der DVU und machte sich mit dem Pakt in den eigenen Reihen ziemlich unbeliebt (von Korruptionsvorwürfen, Zivilklagen bis hin zur Klage gegen die Parteifusion). Seine politische Karriere begann er bei der Jungen Union, war dann bei der CDU und wechselte mit 30 Jahren zu den Republikanern. 2005 trat er der NPD und 2007 der DVU bei. Zur Europawahl 2009 trat er in Friedrichshain für die DVU an und erhielt 189 Stimmen. Derweil ist er stellvertretender NPD-Bundesvorsitzende und damit Redner auf allen größeren Aufmärschen. Aber auch in der NPD ist er umstritten weil er seine Privatinsolvenz durch die NPD auffangen lässt. Im Mai 2011 trat er erfolglos als Spitzenkandidat der NPD zur Bremer Bürgerschaftswahl an.

2. Enrico Domroese, 1972, wohnt in der Delbrückstraße in Neukölln
Domroese kommt wohl aus Mecklenburg-Vorpommern und lebt schon länger in Berlin. Er bezeichnet sich als Ex-Hammerskin („Berliner Bruderschaft“) und hat 2006 angeblich versucht über Exit auszusteigen. Er hat den Kontakt dann aber wieder abgebrochen und ist nunmehr für die NPD aktiv. Markant: Seine Arme und Oberkörper sind übersät mit Tattoos (unter anderem die verbotene Odal-Rune, Hammerskin-Zeichen usw.). Seine Freundin Simona Moser wohnt mit ihm zusammen und betreibt einen Friseursalon in Mitte.

3. Leo Hauger, 1946, Mechaniker, wohnt in der Grünthaler Straße im Wedding.

„Pro-Deutschland“

1. Helmut und Ingried Richter; 1934/1936, Bauingenieur/Kauffrau, wohnen zusammen in der Pintschstr. in Friedrichshain.
Das Ehepaar tritt auf den Listen zur BVV-Wahl an. Helmut war zunächst Vorsitzender des Friedrichshainer Kreisverbandes und sprach am 17. Juni am Frankfurter Tor als Redner.

2. Claus-Peter Blank, 1972, Industriemechaniker, wohnt in der Obstallee in Spandau
Peter Blank hat einen Vater, der den gleichen Namen trägt. Dieser ist Rentner und hat bei der letzten Berlin-Wahl 2006 immerhin 4,8% für die Republikaner in Reinickendorf geholt. Daran will der der Sohn anscheinend anknüpfen und übernahm kurz nach der Kreisverbandsgründung den Friedrichshainer Verband als Vorsitzender.

3. Manfred Holländer, 1936, Dipl.-Ing.; Lemkestraße in Mahlsdorf
Einer der aktiven Wahlkämpfer. Wenig Stände bei denen er nicht dabei war.

4. Wolfgang Slobidnyk, 1946, Bauunternehmer aus dem Treppendorfer Weg in Grünau,
Wurde von der CDU 1998 fast als Baustadtrat von Köpenick nominiert. Sein Unternehmen ist in der Kiefholzstraße in Baumschulenweg.

5. Harald Hofbauer, 1956, Schauspieler, wohnhaft in der Waldemarstraße in Kreuzberg,
Hofbauer hat in Wien Schauspiel studiert und war in zahlreichen Hauptrollen (Agentur AMT) und in Filmen zu sehen. In Berlin (Agentur ZAV) scheint es aber nicht so gut zu laufen. Seine Eigentumswohnung in Kreuzberg will er gerade wieder loswerden und betätigt sich dafür als Makler.

6. Cornelius Berghout, Treskowstr. in Tegel Jahrgang 1961, Altenpfleger.
Berghout ist mit 25 von Holland nach Süddeutschland und 1994 dann nach Berlin gezogen. Er ist gläubiger Christ einer Freikirche und arbeitet als Dauernachtwache in einer Senioren Wohngemeinschaft. Er betreibt die Bekehrungsplattform „freizeitpark-neues-land.org“ und schreibt Artikel für „glaube.de“. Er hat den Aufruf von Stop-The-Bomb und „gegen die Zustimmung Deutschlands zur Verurteilung Israels im UN-Sicherheitsrat“ unterschrieben.

7. Dorothea Steffen, 1951, Lehrerin, Hönower Straße (Treptow-Köpenick)
Hat die Anti-Bildungs-Kampagne „Staatliche Sexualisierung der Kindheit – Schützt uns davor!“ gestartet und kommt aus dem christlich-fundamentalistischen Spektrum. Sie arbeitet in einer Grundschule des Kinderhilfswerkes „Die Arche“. Ihr Mann Dieter Steffen war Landesvorsitzender der Partei „Arbeit, Umwelt, Familie“ (AUF). Er taucht seit November 2010 bei Pro-Deutschland Veranstaltungen auf, fischte aber schon vorher als Christ in den Gewässern des antimuslimischen Rassismus. 2005 stand er auf der Bundestagsliste der Bibeltreuen Christen in Sachsen-Anhalt. Dieter steht nun für „Pro-Deutschland“ in Pankow zur Wahl und sprach auf der Kundgebung am 17. Juni am Frankfurter Tor. Auch der gemeinsame Sohn David Steffen ist Kandidat für „Pro Deutschland“ in Reinickendorf.

Die Freiheit (treten nur mit Bezirkswahlliste an, weil sie zu wenig Unterschriften gesammelt haben)


1. Markus Hoppe
, Dr. der Physik, 1971, Direktkandidat, gemeldet in der Parteizentrale der „Freiheit“ in der Storkowerstr. 158 in Lichtenberg
Hoppe ist der Mann hinter dem Schild „Danke Thilo! www.pi-news.net“, dass er überall in die Kameras hält. Laut Angaben seiner Parteifreunde ist er seit Jahren auf Hartz 4.

2. Edgar Glatzel, 1945, Lehrer, gemeldet in der Parteizentrale von „Die Freiheit“
Glatzel ist im April von der FDP zur „Freiheit“ übergelaufen. Damit fiel auch sein BVV-Platz für den Rest der Legislatur weg. 2008 hat er ähnliches gebracht – das langjährige BVV-Mitglied in Friedrichshain-Kreuzberg war als Fraktionsvorsitzender der CDU in der BVV und wechselte unvermittelt zur FDP. Er war damals einer der großen Kritiker des Bürgerhaushalts und von Entwicklungshilfe.

3. Richard Weis, 1964, Grafiker, wohnt in der Simplonstraße in Friedrichshain
Weis betreibt das Grafikbüro Piccobello in der Möckernstraße. In den letzten Jahren hat er den Sitz viermal gewechselt. Größere Auftraggeber sind KLUWE, Siemens, Bertelsmann, Ärzte ohne Grenzen und die FDP-Kampagne zur Bundestagswahl in Hessen 2009.

4. Frank Damköhler, 1965, Elektroniker, Matternstraße in Friedrichshain

5. Gernot Runge, 1949, Theaterregisseur, wohnt an der Hasenheide in Kreuzberg
Runge hat bis 2006 in rund 30 Fernseh- und Kinoproduktionen, vor allem für öffentlich-rechtliche Auftraggeber als Regieassistent gearbeitet. Seine Karriere liegt hinter ihm. Er macht noch kleinere Produktionen für Hörfunk und Theater. Als Arbeitsorte gibt er München, Wien und Berlin an.

Antifa Friedrichshain
(September 2011)

Zum Weiterlesen:
Apabiz (August 2011): Personal, Programme und Wahlkampfaktivitäten von NPD, Pro Deutschland und Die Freiheit
Indymedia (Juli 2011) „Hintergrund zur Pro-Blockade in Xberg“
Indymedia (Juni 2011) „Pro Deutschland vs. Friedrichshain“

Berliner Gastfreundschaft: Roma im Görli

Seit Anfang August nächtigen unter dem Dach des ehemaligen Bahnhofs im Görlitzer Park etwa 50 rumänische Roma. Sie wohnten zuvor in Wohnungen im Bezirk Mitte, wo ihnen aber vom Vermieter fristlos gekündigt wurde, nachdem sich Nachbarn beschwert hatten. Von diesen hieß es, die Roma seien zu laut, unhygienisch, unangepasst und zu viele. Klassische antiziganistische Vorurteile, die sich nun im Görlitzer Park wiederholen. Nächste Woche soll „eine Lösung gefunden werden“ so die Aussage der Bezirksämter von Mitte und Friedrichshain-Kreuzberg. Mitte will Wohnungsangebote unterbreiten. Werden diese nicht angenommen wird das Matratzenlager im Görli geräumt. Eine Bestandsaufnahme. (mehr…)

Auflösung: Die Londoner Riots verändern die Verhältnisse nicht – sie zeigen wie sie sind

Vor drei Tagen haben wir einen Teil des untenstehenden Textes (der da noch nicht online war) zur Diskussion gestellt. Der Schlusssatz „So einfach ist das“ trägt im Orginal ein Fragezeichen, was ihn weniger provokativ macht und an die Vernunft der KommentatorInnen appeliert doch bitte mal nachzudenken bevor sie die Londoner Riots sozial-psychologisch einordnen.
Bekanntlich neigt auch die radikale Linke dazu direkte Aktionen allzu schnell ab- bzw. aufzuwerten, gern auch ohne politische Analyse. Warum diesmal so zaghaft? Bedenklicher als die vereinzelten Reflex-Positionierungen, die zumindest einen Gegenpol zum landläufigen „Alles Kriminelle“-Geschrei bringen, ist allerdings das massenhafte Ignorieren von London und anderen Erhebungen der letzen Monate. Im folgenden also eine Variante der Betrachtung, die etwas tiefer geht und bei der Einordnung und Diskussion was von den Londoner Riots zu halten ist helfen könnte.

Die „Revolte“ in Großbritannien, so scheint es, will nichts ändern. Ist es so einfach?
Ein paar Tage sichtbar sein

Kommentar von GEORG SEESSLEN

Mit Verwunderung wurde bemerkt, dass der Aufruf „Empört euch!“ bei den Bürgern in der ökonomischen und sozialen Mitte viel mehr Gehör fand als bei den viel direkteren Verlierern von Neoliberalismus und Sozialabbau. Und nun „explodiert“ auch in Europa einmal das Ghetto. (mehr…)

Die Londoner Riots verändern die Verhältnisse nicht – sie zeigen wie sie sind

Ein guter Aufstand hat ein Ziel und einen Diskurs.
Ein schlechter Aufstand bricht aus oder entzündet sich.
Ein guter Aufstand benennt Gegner und sucht Allianzen.
Ein schlechter Aufstand kommt übers „Wir zeigen es denen“ nicht hinaus.
Ein guter Aufstand formt in seinen Protagonisten Selbstbewußtsein,
ein schlechter Aufstand erzeugt Rausch und Katzenjammer.
Ein guter Aufstand hat Adressaten, ein schlechter Aufstand hat Opfer.
In einem guten Aufstand geht es um Ideen und um Ideale,
in einem schlechten Aufstand geht es um Randale, Flachbildfernseher und Schnaps.
So einfach ist das.

[Da man sich aber nicht als Aufstandsratingsagentur Daneben & Dabei suggeriert, stellt sich die Frage über weitläufigere Kritiken zwischen Selbstvertretung und Selbstermächtigung. Ein Bewertung der Ziele und angestrebten Diskurse, die selbst in London + x auffindbar sind, wäre hilfreicher. Die oben genannten Kriterien sind eher komplimentär als gegensätzlich… Anhaltspunkte für weitere Betrachtung gibt der mittlerweile zensierte Indybeitrag: „London brennt! Wann folgt endlich Berlin?“:

Ultimative Riots in London! Fighter-Groups kontrollieren weite Teile der Stadt und lassen die Insignien des Kapitalismus und der rassistischen Ausbeutung in Flammen aufgehen! Jetzt ist kämpferische Solidarität mit den Londoner Genoss_innen gefragt!
Schon seit Wochen versuchen (noch) vereinzelte Kämpfer_innen auch in Berlin flammende Zeichen des Aufstandes und der Revolution zu setzen. Fast jede Nacht werden auch in Berlin die kapitalistischen Wohlstandsburgen der saturierten rassistischen “Mehrheitsgesellschaft” mit Feuer und Flamme angegriffen. Flammende Vorzeichen in Hausfluren, Kellern und auf Dachböden in den zur Yuppiesierung anstehenden Innenstadtbezirken werfen erste Schlaglichter auf den kommenden Auftand der rassistisch und sozial unterdrückten Massen auch in Berlin!
Nur aus der Asche der alten Zustände kann das befreite Leben ohne Zwang, Rassismus und Ausbeutung erblühen.
DESHALB:
Feuer und Flamme für Deutschland!
Praktische Solidarität mit den Londoner Fighter_innen!
Auch Berlin muss brennen!!!
ps. Kleiner Tip: Man kann ganz easy Feuerlöscher zu Flammenwerfern umbauen

So einfach ist das eben nicht.]

Biermeile startet…

Zum 15. Mal wird am Wochenende das „Internationale Bierfestival“ in Berlin-Friedrichshain stattfinden. Vom Frankfurter Tor bis zum Strausberger Platz werden zigtausende Biersorten aus aller Welt angeboten und zu folkloristischer Musik geschunkelt.
Das Massensaufgelage zieht nicht nur LiebhaberInnen kühler Erfrischungsgetränke an, sondern auch ein breites Spektrum rechter Hools, AlltagsrassistInnen und mitunter organisierte Neonazis. Während dieser „längste Tresen der Welt“ fester Bestandteil im Terminkalender von Neonazis war, hat deren Präsenz in den letzten Jahren abgenommen. Einerseits weil parallel andere Veranstaltungen der rechten Szene stattfanden, andererseits weil offen auftretende Neonazis von Polizei und KP-Secruity auch mal nach verbotenen Abzeichen u.ä. kontrolliert wurden. Eine Festivalordnung soll es in diesem Jahr auch ermöglichen TrägerInnen rechter Tattoos, Symbolen und Klamotten (auch die nicht-verbotenen) von dem Sauffest zu verweisen. Äußerungen mit rassistischem Inhalt sollen auch mit Verweis geahndet werden.

In dem Text auf der Internetseite des Veranstalters „Präsenta AG“heißt es:

„Rassismus, Rechtsextremismus und Gewalt haben auf der „Biermeile“ keinen Platz!
Die „Biermeile“ ist ein internationales Festival mit jährlich hunderttausenden Gästen unterschiedlicher kultureller, ethnischer, sozialer und religiöser Herkunft. Sie steht damit für Vielfalt und Weltoffenheit.
Wir tolerieren auf der „Biermeile“ keine beleidigenden Äußerungen, Bedrohungen oder Angriffe aufgrund von Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sexueller Orientierung.
Unterstützen Sie uns dabei, ein Klima der Toleranz und des gegenseitigen Respektes zu fördern! Die Darstellung entsprechender Symbole auf Kleidungsstücken oder das Tragen von Accessoires mit einem Bezug zur rechtsextremen Szene ist ein Verstoß der Festivalordnung.
Wird dies auf dem Gelände der „Biermeile“ wahrgenommen, wird der Verstoß mit sofortigem Verweis vom Gelände geahndet. Der Veranstalter tritt dafür ein, dass das Internationale Berliner Bierfestival auch künftig bleibt, was es ist: Ein bunter und unterhaltender Streifzug durch die friedliche Welt des Bieres.“

Der Veranstalter sträubt sich seit Jahren sich klar gegen Rassismus zu positionieren. Der Druck es nun, wenn auch nur auf dem Papier, dennoch zu tun und es sich mit einem Teil des Publikums zu verscherzen geht auf einen eindeutigen Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung Friedrichshain-Kreuzberg zurück. Darin werden dem Veranstalter mehrere Auflagen erteilt, die er nun offenbar bemüht ist umzusetzen.

Von Freitag 12 Uhr bis Sonntag 21 Uhr wird sich zeigen inwieweit die „Festivalordnung“ umgesetzt wird und ob die geplanten Maßnahmen zur Eindämmung des rassistischen und sexistischen Klimas beitragen. Dazu gehört aber auch, dass sich das Publikum gegen Neonazis und rechte SprücheklopferInnen selbstständig zur Wehr setzt. Auf die Secruity und den Veranstalter sollte mensch dabei nicht hoffen.
Trotz der Lippenbekenntnisse spricht wenig dafür, dass dieses Fest jemals zu einem progressiven Ausdruck gelebter internationaler Solidarität wird. Oder wie es die Antifa Friedrichshain fürs letzte Jahr beschreibt: „Es bleibt was es ist: Ein deutsches Sauf-Fest mit Tendenzen zur No-Go-Area“

Lesenswert auch die Diskussion in der BVV zur Biermeile bzgl. des Mehrwerts für den Bezirk

Gewaltspirale Berlin

„Solange in Hoyerswerda keine Asylantenheime brennen, habe ich keine Probleme mit brennenden Autos“ Das kleine A hinterm § 306 StGB. Mölln, was war das eigentlich und was ging danach? Verfehlte Politik und Politik die verfehlt. Ein Strom der Entrüstung, gegen Gewalt.
„Autonome und Neonazis auf demselben brutalen Niveau“ Was will der Innensenator Körting sagen, wenn er mitteilt keine zwanziger Jahre Zustände zu mögen? Die SPD-Polizei soll doch bitte aufhören, Aufstände niederzuschlagen und Rädelsführer umzubringen? Drei Jahre Haft und ein Roter weniger? „Das bisschen Totschlag bringt uns nicht gleich um“ … Und wenn Horst Wessel, Sturmführer bei der SA Friedrichshain, sich nicht vom jüdischen Arzt behandeln lassen will und tatsächlich an einer Bleivergiftung stirbt? Die besetzten Häuser der Mainzer Straße bis in den zweiten Stock Hasendraht die Fenster schmücken lässt, damit der Molotowcocktail sich erst durch den Holzrahmen fressen muss bis das Schlafgemach in Flammen steht? Und dann kommt die Polizei und spricht von Vietcong ähnlicher Verbarrikadierung. „Konsens statt Gewalt“ will die TAZ: Konsens gegen eine Ideologie und nicht Versehrung von Personen und wähnt schon den Bruch der Emanzipation durch „plumpe Selbstermächtigung“. Labber nisch, Litschko! Emanzipation stammt von dem lateinischen emancipare: einen „Sklaven oder erwachsenen Sohn“ aus dem mancipium, der „feierlichen Eigentumserwerbung durch Handauflegen“, in die Eigenständigkeit zu entlassen.1 Schmach Konsens, aber manchmal muss man halt Kiesinger ohrfeigen.

Heraus mit der Sprache! Warum diese Gewalt gegen Nazis? Wegen Auschwitz oder weil dir die Faust juckt? Wer ehrlich ist, weiß worum es geht, ging und gehen wird und verliert es trotz dem Gerede der Gewaltspiralen nicht aus den Augen.

Jahre über Jahre stellt man für diesen Kampf Informationen zur Verfügung und es scheint nur Zeitverschwendung. Deshalb entsprechend der Losung „Kein Gerede nur die Tat“ beschränkt man sich auf steile Thesen, lehnt sich verkrampft zurück und lässt sich durch andere lieber wiederlegen, als selbst nur ungehört, ja innerlich zu migrieren.

Anhang…
t – 100 tote 1992
Besetzer_innen Zeitung 26.11.1992

Weihnachts Nasty neigbourgh 2005 (Stressfaktor), der achso böse Steckbrief. Völlig verschweigend, dass Schmidtke sich auch um inhaftierte von der Gesellschaft ausgrenzte Personen kümmert und ihn wieder eine Möglichkeit geben möchte sich in die Gesellschaft zu integrieren. Und Katzen mag er auch.2 und wie alle wissen „wer Katzen + Deutschland mag, kann kein schlechter Mensch sein“

Begonnen hat Sebastian seine politische Karriere schon auf dem Schulhof in Eggersdorf bei Strausberg, wo er mit seinem Kumpel Falko, Sohn der Brandenburgischen DVU Kandidatin Liane Hesselbarth, Angst und Schrecken verbreitete. Recht zügig übernahm er im Kampfbund Deutscher Sozialisten (KDS), einer bundesweit agierenden traditionalistisch NS-verherrlichenden Organisation, die „Sozialistische Zelle Strausberg (Nationaler Widerstand)“. Viele KDS-Aufkleber in Brandenburg tragen daher sein V.i.s.d.P.
Seit Mitte 2003 gab er auch die „Zwischenwelt. Nationalrevolutionäre Streitschrift“, ein „kleines antiimperialistisch-nationalistisches Querfrontblättchen“, im von Michael Koth geleiteten KDS-Gau Berlin/Brandenburg, heraus. Der Märkische Heimatschutz (MHS) bot ihm aber mehr Action und so brach Sebastian organisatorisch mit dem KDS und schloss sich den losen Zusammenhängen der Berlin/Brandenburger Kameradschaftsszene an.
Durch MHS Leute wie Gordon Reinholz lernte er Strukturen aufzubauen und durch die verstärkte Zusammenarbeit des MHS mit den Berliner Kameradschaften BASO und Tor begann er auch in Berlin Politik zu machen. So meldete er in Berlin zahlreiche Naziaufmärsche an (1) und versucht sich bundesweit durch Auftritte als Redner bei Neonaziaufmärschen als Kader zu etablieren (2).
Sebastian ist außerdem einer der übelsten Style-Verbrecher in der Neonaziszene, er trug Palästinensertuch – was seinen Antisemitismus kennzeichnen sollte – und war einer der ersten, der auf Demos Che Guevara T-Shirt überstreifte. Nicht weil er Revolutionen cool findet sondern, um an den angeblich nationalsozialistisch intendierten Befreiungskampf in Lateinamerika der 60er Jahre anzudocken.
So verdreht sein Geschichtsbild auch sein mag, er ist durch einfache körperliche Straßengewalt zu einer ernsthaften Gefahr für Linke geworden. So griff er im Juni 2004 mit BASO-Chef Rene Bethage im Treptower Park einen Jugendlichen völlig grundlos an und beteiligte sich mit seinem MHS-Kollegen Andreas Thürmann (Johannisthal) an einem organisierten bewaffneten Angriff auf eine Antifa-Infoveranstaltung im Jugendclub „Cafe“ in der Köpenicker Seelenbinderstraße.
Zuletzt trat er auf einer Gegenkundgebung zur diesjährigen Silvio-Meier-Demo in Lichtenberg am 19.11.2005 vor der Kneipe Kiste in der Weitlingstraße 44 mit dem Spruch „Linkes Gezeter – 9 Millimeter“ in Erscheinung.

In Berlin zog er mit Freundin Ines Wegner (BASO) in die gemeinsame Wohnung in der Platte in Prenzlauer Berg. Diese Wohnung sollte auch als Verteilstelle für die bundesweite Neonazischülerzeitung „Invers“ dienen (wurde letztendlich von Antifas bundesweit geschreddert)..

Wir fordern dass seine Nachbarn ihn mal besuchen und ein paar Stunden Geschichtsunterricht erteilen! Neonazikader wie Sebastian Schmidtke haben kein Recht auf Privatsphäre. Big Brother is watching you Vogel!!

(1) z.B. 18.08.2005 „Gegen Geheimdienste und Gesinnungsjustiz“ vom S-Bhf-Frankfurter Allee nach Lichtenberg // 17.08.2005 Gegen den Straftatbestand Volksverhetzung vom Alexanderplatz zur Jannowitbrücke // 03.12.2005 „Für ein nationales Jugendzentrum“ in Schöneweide
(2) Seine bundesweiten Ambitionen sind durch den Hack des Neonaziforums Freier Widerstand offengelegt – sein Nickname war Exilberliner.
Quelle: Stressfaktor // Dezember 2005

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Emanzipation [zurück]
  2. http://www.youtube.com/watch?v=LRY-mrjaUCo [zurück]

„Wenn du im grünen Block stehst, ist alles um dich herum dein Feind“

An der Spitze linker Demos marschiert ein Trupp harter Schläger. Detlef P. lief jahrelang dort mit, prügelte sich mit Demonstranten, versprühte Pfefferspray, schlug mit Schlagstöcken. Hier erzählt er seine Geschichte.
Wenn er in den Spiegel blickt, sieht Detlef P. seine Vergangenheit: Die lange rote Narbe, die sich schräg unter dem linken Auge über sein Gesicht zieht. Dort, wo ihn der Schlagstock eines Kollegen traf. Die vielen verheilten Schnitte und Platzwunden an Armen und Beinen sieht man zumindest nicht auf den ersten Blick.
Detlef P. war ein Gewalttäter. Ein Polizist. Ein Schläger in Uniform. Detlef P. war im grünen Block. (mehr…)