Label 23: „Leben heißt Kampf“

Bezugnehmend auf den Artikel der Antifa Friedrichshain „Doorbreaker führt wieder rechte Klamotten“ (antifa-fh.de.vu, indymedia) stellen wir euch exclusiv den Hintergrundartikel aus dem Antifainfoblatt zur Verfügung. Das AIB Nr.96 wie immer auch bei uns im Laden erhältlich.

Antifainfoblatt Nr. 96, Seite 24-25

»Leben heißt Kampf«
Die Cottbuser Marke »Label 23«

Die Cottbuser Modemarke »Label 23« ist ein frischer Player auf dem umkämpften Markt für extrem rechte Szenekleidung. Einer der Betreiber ist tief verstrickt in das neonazistische Milieu.

Konkurrenz für »Thor Steinar«
In den finanziell lukrativen Modemarkt der rechten Szene ist Bewegung gekommen. Das zeitweilige Fastmonopol der Branchengröße »Thor Steinar« jedenfalls scheint gebrochen zu sein. War die Brandenburger Marke bis vor einigen Jahren bei Neonazidemos und in der rechten Alltagskultur kaum wegzudenken, so ist sie inzwischen vielerorts etwas seltener anzutreffen. Verschiedentliche Boykottaufrufe aus dem harten Kern der Szene haben dazu beigetragen. Die Vorwürfe: Verrat, Kommerzialismus und Produktion im nichtdeutschen Ausland. Konkurrenzmarken wie »Ansgar Aryan« oder »Erik & Sons« haben mit ähnlichen, Produkten Erfolg und machen »Thor Steinar« zunehmend Marktanteile streitig.
Zu einem weiteren, aber bisher kaum beachteten Akteur auf dem Markt für Szeneklamotten hat sich in jüngerer Zeit die bereits 2004 gegründete Marke »Boxing Connection« beziehungsweise das »Label 23« entwickelt. Die beiden Markennamen stehen im gleichen Zusammenhang: Die »23« in »Label 23« ist eine Abkürzung für »Boxing Connection«, da sich die Anfangsbuchstaben der Marke an zweiter und dritter Stelle im Alphabet befinden.
Wie »Thor Steinar« stammt »Label 23« aus Brandenburg. Die Markeninhaber Markus Walzuck (»Boxing Connection«) und Toni Lempke (»Label 23«) kommen beide aus dem südbrandenburgischen Cottbus. Als Betreiberfirma tritt seit einiger Zeit die ebenfalls in Cottbus ansässige »KF Textil Distribution« um den Geschäftsführer Marcel Kascheike auf. Vorher hieß die Firma »Tex.Fabrik« und lief direkt auf Markus Walzuck.

Sponsoring beim Kampfsport, Fußball und Aggro-Hiphop
»Label 23« hat vor allem sportliche Kleidung im Angebot und stellt sich als Unternehmen dar, das jenseits banaler kommerzieller Interessen für die Kampfsportszene produziert: »Ideale besiegen das Geld«. »Label 23« sponsort Kampfsportevents, um sich in der Szene bekannter zu machen. Beispielsweise unterstützte die Firma im September 2012 den Auftritt von K1Kämpfer Peter Bäumler aus Ronneburg bei Gera bei einer »Fight Night« in Merseburg. Im April 2011 unterstützte die Firma als Sponsor die fünfte Auflage der für die »Mixed Martial Arts«Szene wichtigen »Respect FC«-Veranstaltung in Essen. Auch »ultras.ws«, ein lnternetforum für die Fußball-Ultraszene, wird vom »Label 23« unterstützt. Im September 2012 erschien auf dem Internetmagazin »aggro.tv« (einem Nachfolger des 2009 eingestellten Hiphop-Plattenlabels Aggro Berlin) ein Musikvideo zum Track »Invictus« des aus Cottbus stammenden und betont »patriotischen« Rappers Dissziplin – präsentiert vom »Label 23«.
Politische Aussagen sind auf den Shirtmotiven der Firma und in ihren Werbetexten allerhöchstens implizit zu finden. Das »Label 23« stehe »nicht nur für authentische Bekleidung und körperbetonte Mode, sondern lebt auch für den Sport im Ring und bietet daher neben individuellen Designs auch identitäre Aussagen für alle, die ihr Lebensgefühl auch auf der Haut tragen wollen.« Meist sind es martialisch-männliche, für den Kampfsportbereich aber durchaus typische Slogans, die auf den »Label 23«-Motiven zu finden sind: »Defenders of our Freedom«, »Onty the strong survive«, »Elite squad – stronger than ever«. Motive wie »Arise – Bound for Glory« legen einen direkteren Bezug zur Neonaziszene nahe, denn »Bound for Glory« ist auch der Name einer einflussreichen us-amerikanischen Rechtsrockband.
Die Marke hat Erfolg und in den rechtsoffenen Teilen der Karnpfsportszene und unter Hooligans einige Verbreitung gefunden. Lokal zum Beispiel bei den Gruppen »Inferno Cottbus«, »Firma 18« in Forst und den »FCV-Ultras« aus Frankfurt/Oder. Und auch bei Neonazievents wie Demonstrationen ist das »Label 23« – zumindest in Teilen Ostdeutschlands – präsent. Neben dem direkten Internetversandhandel wird das »Label 23« auch im Einzelhandel vertrieben, etwa über Ladengeschäfte in Cottbus, Chemnitz und Berlin. Auch in Finnland gibt es inzwischen einen Vertrieb. Der »Blickfang Store« (früher: »Quartier 23«) in Cottbus wird gleich selbst von »Label 23«-Macher Toni Lempke betrieben.

Kickboxmeister ist Markeninhaber
Markeninhaber Markus Walzuck, Jahrgang 1983, verkauft nicht nur Artikel für die Kampfsportszene, sondern ist auch selbst – durchaus erfolgreich – sportlich aktiv. Er ist Träger des deutschen Meistertitels im Kickboxen in der Version des Verbands »World Kickboxing Network«. Bis vor einiger Zeit galt er als Mitglied des »Kickbox Team Cottbus 09« in seiner Heimatstadt als Vorzeigesportler. SPD-Bürgermeister Frank Syzmanski gratulierte Watzuck noch im Dezember 2011 zur Verteidigung des Meistertitels. Dann jedoch erfolgte im Januar 2012 eine Verurteilung zu einer Geldstrafe vor dem Dresdener Amtsgericht wegen Volksverhetzung. Auf dem Weg in den Urlaub war er zusammen mit 17 weiteren Personen wegen des Tragens von Hitler-Gedenkshirts (»A.H. Memorial Tour 2011 – Protectorat Mallorca«) aufgefallen. Walzuck und sein Verteidiger Ronny Krautz versuchten vor Gericht die Shirts erfolglos als harmlosen »Partyspaß« darzustellen. Nach dem Urteil ging das »Kickbox Team Cottbus« auf Distanz und warf Walzuck aus dem Verein. Dass das Team von der neonazistischen Gesinnung Walzucks vorher nichts wusste, scheint allerdings überraschend. Denn bereits im Mai 2011 wurde ihm die Teilnahme an einer Vereinsreise nach Israel mit der Begründung verwehrt, es gebe »Hinweise auf Kontakte in die rechtsradikale Szene« verwehrt. Walzuck war schon zuvor bei seinen Kämpfen zu den Klängen von Rechtsrockbands wie »Blitzkrieg« in den Ring marschiert.

Tief verstrickt in die Neonaziszene
Tatsächlich laufen bei Markus Walzuck in der Südbrandenburger Region aller Gemengelage aus Kampfsport, Neonazis, rechten Hooligans, Rechtsrockszene und Bekleidungsverkauf angeht.
Walzuck war in das Südbrandenburger Neonazi-Netzwerk der »Spreelichter« eingebunden, welches durch die sogenannten »Unsterblichen«-Fackelmärsche bundesweite Relevanz erlangt hatten und im Juni 2012 vom Land Brandenburg verboten wurde. Am Tag des Verbots wurden etliche Objekte von führenden mutmaßlichen »Spreelichter«-Aktivisten durchsucht – mit dabei war auch Walzucks Wohnung. Er war unter anderem bei einem konspirativ organisierten Fackelmarsch von 200 Neonazis in der Nacht zum 1. Mai 2008, also in der Frühphase der »Spreelichter«, in Cottbus-Sachsendorf dabei. Wen wundert’s dann noch: Die »Spreelichter« hatten seit 2009 mehrfach »nationale Kampfsportturniere« unter dem Motto »Leben heißt Kampf« organisiert. Solcherlei Details brachten Walzuck eine Erwähnung im Brandenburger Verfassungsschutzbericht für das Jahr 2011 ein.
Bis zum Sommer 2011 galt für ihn ein Fußballstadionverbot, welches wegen »rechtsextremistischer Handlungen« über ihn verhängt worden war. Watzuck ist Fan des FC Energie Cottbus und war etliche Jahre beim einschlägigen Fanzusammenhang »Inferno Cottbus« aktiv, zeitweise sogar als »Capo«, also als Koordinator für die Fangesänge. Die Wohnung des jetzigen Inferno-Capos William »Willi« Puder aus Forst wurde übrigens im Zuge des Spreelichter-Verbots ebenfalls durchsucht.
Weitere strafrechtliche Ermittlungen gegen Walzuck liefen unter anderem wegen Nötigung, Volksverhetzung, Landfriedensbruch, Hausfriedensbruch, gefährlicher Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Bei einem Volksverhetzungsdelikt wurde gemeinsam gegen ihn und Sten Söhndel, Sänger der Cottbusser Rechtsrock die »Spreelichter« gibt es neben dem Markeninhaber Kontakt zu »Frontalkraft« eine weitere Verbindung in den Rechtsrockbereich, denn die Organisation kooperierte zum Beispiel über Konzerte und Videoproduktionen eifrig mit Maik Bunzel, Frontmann der Brandenburger Neonaziband »Hassgesang«.

Marke für die Mischszenen
Der Blick auf Markeninhaber Markus Walzuck zeigt, dass die Ästhetik vom »Label 23« zumindest für Szeneangehörige doch nicht so uneindeutig ist, wie die martialischen aber im Kern politikfernen Slogans der Marke suggerieren. »Ideale besiegen das Geld« behauptet die Marke, und die Aktivitäten von Walzuck zeigen, was damit gemeint ist: Knallharter Neonazismus. Dem Konzept von »Thor Steinar« folgend, vermeidet es die Marke dennoch, sich als explizite Neonazifirma zu präsentieren. Der Anbindung an den Kampfsport- und den Hooliganbereich würde das nur schaden – eindeutig uneindeutig verkauft sich besser.