Offener Brief an die „Ritter Finest Real Estate“

von Anwohnerinnen und Anwohner und andere Investorenstandort-Risikofaktoren

Ihre und unsere Pläne zum Grundstück Cuvrystraße Ecke Schlesische Straße, Berlin, Kreuzberg-Wrangelkiez

Sehr wenig geehrte Menschen der Ritter Finest Real Estate und ihrer verschiedenen Unter-GmbHs und Unter-AGs, besonders wenig geehrter Herr Hannes Ritter,

wie wir kürzlich vernommen haben, hat Ihr Unternehmen das Spreeufer-Grundstück Cuvrystraße Ecke Schlesische Straße in Berlin-Kreuzberg von dem vormaligen „Besitzer“, der IVG Immobilien AG, als sogenanntes „Eigentum“ übernommen. Sicher erhofften Sie sich durch die Bebauung des Grundstückes mit Luxus-Wohnungen und deren anschließendem Verkauf einen schön fetten Gewinn – vielleicht 10, 20 oder sogar 30 Millionen Euro Rein-Profit? Wir müssen ihnen leider eine – was Ihre Gewinn-Bilanz betrifft – schlechte Nachricht mitteilen: Ihren geplanten fetten Profit mit dem Cuvry-Grundstück können Sie vergessen.

Sie sind offensichtlich ein auf Luxus-Bauten spezialisiertes Bauunternehmen. In ihrer sogenannten „Philosophie“ schreiben Sie: „Bei Ritter – Finest Real Estate geht es nicht nur um Masse oder Kosten, sondern um höchste Individualität, Trends und die Liebe zum Detail.“

Was das für Sie bedeutet, lässt sich schön an den bereits verwirklichten Projekten ablesen, etwa an der sogenannten „Trilogie“:
„Großzügige und mit viel Liebe zum Detail geplante Wohnungen entsprechen dem heutigen Zeitgeist und den Anforderungen an Wohnkomfort und Lebensqualität. Im hauseigenen Spa-/Fitnessbereich, von einem renommierten Innenarchitekten stilvoll und aufwendig konzipiert, können Sie Ihrem persönlichen Lifestyle gerecht werden.“

Oder das nächste Projekt Flemingstr. 1: „Neubau mit sechs hochherrschaftlichen Wohnungen, entworfen nach klassischen Vorbildern, jedoch mit technischen High-End-Lösungen des 3. Jahrtausend.“ Hier finden wir nicht nur die „Fußbodenheizung mit Einzelsteuerung für alle Zimmer“ sehr vielversprechend, sondern auch das „Sicherheitskonzept“ – nicht unwichtig, so etwas, in Zeiten zunehmender gesellschaftlicher Ungleichheit.

Um den Plebs draußen zu halten, gibt es „berührungslose Zutrittskontrollsysteme mit Mandantenfähigkeit“, die sogar „die Programmierung von Zugangs-Zeitfenstern für Reinigungspersonal, Besuch, etc.“ zulassen. Es gibt eine auch eine „Außenkamera- Überwachungsanlage mit Aufzeichnungsmodul und Weiterschaltungsmöglichkeit zu einem Sicherheitsdienst“ und natürlich, ganz wichtig heutzutage, eine „Drei-Stufen-Absicherung durch Videogegensprechanlage mit Farbdisplay für Grundstückszugangstor, Hauseingangstüre, Wohnungseingangstüre sowie zusätzlich 3 Videogegensprechanlagen pro Wohnung“.
Die Familien-Juwelen und natürlich erst recht die Aktien-Pakete, von BMW etwa, sind gut geschützt durch die „einbruchhemmende Fensterkonstruktionen mit A3-Sicherheitsverglasung bei den Fensterelementen der EG-Wohnungen sowie Sicherheitsbeschläge Stufe 3″ und natürlich auch die „tresorartige, spezielle 5-fach Verriegelung der Hauseingangstüre und der Wohnungseingangstüren“. Die Überwachungstechnik wird überwacht durch eine „Störmeldeanlage zur Sicherung aller elementaren Einrichtungen der Haus- und Sicherheitstechnik mit Weiterschaltung an einen Sicherheitsdienst.“

Und was ist von Ihnen auf dem Grundstück Cuvrystraße Ecke Schlesische Straße geplant? Da geben Sie sich erst mal recht harmlos: „Geplant sind Wohnungen, Einzelhandel und Büros“, lassen Sie verlauten. Doch das bereits für das Projekt erstellte bunte Bildchen, wie es mal aussehen soll – und natürlich auch der andere Scheiß, der von Ihnen so gebaut wird – lässt die Sache gleich klarer werden: ein weiteres Luxus-Projekt für Anzug-TrägerInnen. Sie waren sich nicht zu bescheuert, gleich zwei schicke Sportwagen, eines davon anscheinend ein Porsche Cabriolet, und die dazugehörigen graubeanzugten Herren in ihr Bildchen zu integrieren. Sie wollten uns gleich mal klarmachen, was Sie da planen? Ok – wir haben verstanden.

Leider müssen wir Ihnen mitteilen, daß aus ihren hochtrabenden Plänen nichts werden wird. Was auf dem Grundstück passieren wird, werden wir, die Anwohnerinnen und Anwohner, entscheiden, und Sie können versichert sein, daß IHRE Planung es nicht in die engere Auswahl schaffen wird. Die von Ihnen geplanten Wohnungen würden für unser Einkommen unerschwinglich sein: Schließlich sind wir keine BMW-ManagerInnen oder haben sonstige gutbezahlte Jobs weit oben auf der Ausbeutungs-Leiter. Wir brauchen auch die ganze Sicherheits-Kacke nicht, und auch keinen „hauseigenen Spa-/Fitnessbereich“.

Das Grundstück, daß sie mit Ihrem Scheiß zubauen wollen, ist eines der letzten freien, nicht kommerziell genutzten Spreeufer-Grundstücke. Wir werden eine öffentliche, für alle zugängliche, nichtkommerzielle und gemeinnützige Nutzung durchsetzen. Danke für Ihren Beitrag – jetzt können Sie ihn wieder zurückziehen.

Zum Thema steigende Mieten in Kreuzberg, MediaSpree usw. müssen wir Ihnen wohl nichts mehr erzählen und verweisen auf die einschlägigen Homepages und Texte. Damit Sie sich ein genaueres Bild über uns machen können, verweisen wir auf die entsprechenden Texte zu den Protesten und Aktionen gegen steigende Mieten im Kiez und die Bebauung der Spreeufer-Grundstücke durch kommerziellen, profitträchtigen Scheißdreck.

Daß die Zusammenarbeit mit BMW im Rahmen des „BMW-Labs“ für Sie interessant gewesen wäre, finden wir nicht verwunderlich. So sind etwa ihre Vorzeige-Luxus-Scheiß-Projekte „Trilogie“ mit „ausschließlich großzügigen Einzelparkern mit Überbreite“ ausgestattet – da passt auch noch die dickste Bonzenkarre von BMW rein.

Zu Ihrem vermutlich großen Bedauern und zu unserer ausgesprochenen Freude ist das BMW-Lab am vorgesehenen Standort ja nun wohl endgültig gescheitert. Wir sehen das als gutes Omen, um auch das für den gleichen Ort vorgesehene Bauprojekt der „Ritter Finest Real Estate“ gemeinsam verhindern zu können.

Mit wenig Achtung,

Anwohnerinnen und Anwohner und andere Investorenstandort-Risikofaktoren