Neu: Buch der Kritischen LehrerInnen

Ab sofort im Infoladen erhältlich: Das „Kein Handbuch“ der Kritischen LehrerInnen Berlin. 140 Seiten voll Schul- und Herrschaftskritik. Wurde auch Zeit, dass die ganzen linken PädagogInnen was zum nachmachen vorlegen.

Editorial

An einem schönen Sommerabend saßen einige „Kritische Lehrer_innen“ in einem Neuköllner Hinterhof zusammen, als sich über uns ein Fenster öffnete. Eine Frau schaute heraus und fragte: „Seid ihr die Kritischen Lehrerinnen?“ Sie wohnte dort und hatte gehört, dass es uns gibt, aber sich bisher noch keine Zeit genommen, mal vorbeizuschauen. Auf unseren Gruppennamen erhielten wir immer wieder solche erwartungsvollen Reaktionen, oft von Menschen, die wir überhaupt nicht kannten. Da gab es offenbar Bedürfnisse und ein vernachlässigtes politisches Feld, das darauf wartete, mit konkreten Vorstellungen gefüllt zu werden.
Was sind und was tun also „Kritische Lehrer_innen“? In Berlin ist die Gruppe, kurz „KriLe“, entstanden als Zusammenkunft von Lehramtsstudierenden mit gesellschafts- und herrschaftskritischen Haltungen. Die Gruppe gibt es nun seit fünf Jahren und der Reader, der jetzt vor dir liegt, ist eine gute Zusammenfassung unserer vielfältigen Bemühungen, diese Fragen für uns zu beantworten. Der erste Teil ist ein Streifzug durch die gesellschafts- und schulkritischen Themen, die wir in dieser Zeit aufgegriffen haben, aus verschiedenen individuellen Perspektiven. Die 17 kurzen Essays haben nicht den Anspruch, abgeschlossene Antworten zu geben, sondern sollen Anregungen und Vorschläge sein, was zum Thema gemacht werden kann und wie. Der zweite Teil hingegen blickt zurück auf vier Jahre gemeinsamen Lernens und Agierens. Hier erwarten dich auch Bilder, Links zu interessanten Initiativen, Buchtipps, Sonntagsreden oder Fotos von Aktionen. Die Beschäftigung mit Theorien und Analysen ging für uns stets Hand in Hand mit der Suche nach den politischen Handlungsmöglichkeiten.
Dieses Buch hätte es allerdings nie gegeben, wenn wir nicht vor etwa eineinhalb Jahren das mögliche Ende der Kritischen Lehrer_innen vor Augen gehabt hätten. Viele von uns begannen zu dieser Zeit das Referendariat an Schulen. Andere blieben eine Weile arbeitslos oder entschieden sich für Promotionen und gegen die Arbeit an der Schule. Auf unseren regelmäßigen Treffen, die bis dahin alle zwei Wochen stattgefunden hatten, „verirrten“ sich Anfang 2009 selten mehr als eine handvoll KriLen, und viele fragten sich, woher diese plötzliche Motivationslosigkeit kam. Um diese Frage zu ergründen, organisierten wir dieses Buchprojekt. Wir luden die KriLen mehrmals zu Reflexionstreffen ein oder baten um schriftliche Einschätzungen der zurückliegenden Zeit. Im zweiten Teil haben wir die Aspekte herausgegriffen, die uns bei unseren gegenseitigen Befragungen als Knackpunkte erschienen. Unsere Versuche, dies zusammenzufassen, stehen neben verschiedenen Einzelstimmen „im O-Ton“.
Wir wollten gerne für uns und für die geneigte Nachwelt dokumentieren, was die Kritischen Lehrer_innen für eine Gruppe gewesen waren. Aber es kam alles anders: Seit Anfang dieses Jahres findet jeden Monat wieder ein KriLe-Themenabend statt, und auch an der Gründung eines „Instituts für Selbstbestimmtes Lernen“ beteiligen sich derzeit viele KriLen. Die Suche nach lebbaren und widerspenstigen Wegen geht also mit unverminderter Motivation weiter, und den Reader wollen wir allen schenken, die diese „Unbelehrbarkeit“ mit uns teilen. Wir hatten den Wunsch, die Texte so verständlich zu verfassen, dass sie weder ein Studium der Pädagogik voraussetzen, noch der angesagten linken Diskurse. Bitte steinigt uns nicht, wenn wir dies nicht bei jedem geschafft haben. Wir sind im Gegenzug auch gerne bereit, alle Fragen zu den Texten zu beantworten: kritischeLehrerInnen [at] web.de.
Unser begeisterter Dank geht an die Grafiker_innen von Bildwechsel / image-shift, insbesondere an Adeline Debatisse, mit deren professioneller Unterstützung und liebevoller Arbeit aus einem schwarzweißen Haufen Blätter im Seminararbeitsformat das vielschichtige und lebendige Ergebnis werden konnte, das du in den Händen hältst.

Inhaltsverzeichnis

- Wer darf Lehrer_in sein ?
- Sportunterricht ohne Geschlecht?
- Heterosexualität und geschlechtliche Eindeutigkeit als Privilegien
- „Die Würfel sind gefallen !“ Das Zerstörungswerk von Zensuren
- Auf der Suche nach dem richtigen Lernen im Falschen. Die „neue Lernkultur“ auf dem Prüfstand
- Wer nicht passt , wird passend gemacht? Disziplinierung in Schulen
- Institutionelle Diskriminierung. Eine kommentierte Litraturliste zu Herrschaftsverhältnissen im Bildungssystem
- Was läuft falsch an deutschen (Hoch-)Schulen? Deutschland im Wettbewerbsfieber
- Marginalisierung, Schule und die Frage der Handlungsfähig keit. Vortrag bei den Reflectures 2008
- Schule und Leistungs druck: Her mit den schönen Leben ?! Erfahrungsbericht zum Selbstversuch einer multiperspektivischen Schulkritik im Rahmen der Pankower Schulprojekttage 2008 und sein Scheitern!
- Anarchistische Versuche zu Pädagogik
- Rassismuskritische Bildung und (weiSSe) Lehrer_innen? Zwischen Verstickung und handlungsfähigkeit
- Thesen zur griechischen Revolte 2008
- Antiherrschaft ≠ Amok. Friede dem Amok, Kampf aller Herrschaft
- Alte und neue kritische Lehrer_Innen: „Das Sozialistische Büro“
- Das INSEL – ein Institut für selbstbestimmtes Lernen
- Kleine Geschichte der KriLen
- Krile-wochenende 2007. Ein Beispiel: Was & Wie haben wir bei solchen treffen diskutiert?
- Grundsätze der Kritischen Lehrer_innen
- Schulkritik als Methode der Gesellschaftskritik. Themenwahl bei den Kritischen Lehrer_innen
- ANTISEMITIsM US in SCHULE UND UNTERRICHT
- Projekttutorium Schulkritik und Bildungspolitik – Auf dem Weg zu einer emanzipatorischen Schule
- Selbstorganisation: Wie und zu welchem Zweck organisieren wir uns ? (und können wir das leisten?)
- Kommunikationsstrukturen, informelle Hierarchien und „hidden agenda“
- Wohin Kritische Lehrer_innen ? Fragen zu Perspektiven einer politischen Organisierung
- Stimmen zu Perspektiven für die Kritischen Lehrer_innen. Rede der Kritischen Lehrer_innen , gehalten beim Schüler_innenstreik.
- Miteinander (politisch) wachsen und etwas bewegen. Sternstunden und Motiv ationen, bei den KriLen dabei zu sein
- „Wer nicht passt wird passiv gemacht“
- AG GEGENSEITIGE Unterstützung
- Die Institution soll nicht durch mich durchmarschieren – KriLe und das Referendariat