Liebig34-Sommerkino 2010

„cinema de backyard“
Sommerkino im Hinterhof der Liebig34
Ab 3. August bis 28. September jeden Dienstag ab 21 Uhr

Flyer und Plakat als PDF (600Kb) zum Ausdrucken und kopieren

Programm:

03.08.2010
Itty Bitty Titty Committee (USA 2007, 87 min)

Regie: Jamie Babbit

Die lesbische High-School-Absolventin Anna bekommt keinen Studienplatz auf dem College. Sie hat einen Job als Empfangsdame bei einem Unternehmen, welches sich mit kosmetischer Chirurgie beschäftigt. Anna empfindet ihre Arbeit als perspektiv- und sinnlos. Sie macht in einer Nacht mit Sadie Bekanntschaft, die der radikalfeministischen Gruppe Clits in Action (CIA) angehört. Sie verliebt sich in Sadie und macht bei den Aktionen der Gruppe mit. Eine Komödie.

10.08.2010 (RiceUp)
XXY (Argentinien 2007, 87 min)

Regie: Lucía Puenzo

Alex ist fünfzehn – und hat ein Geheimnis. Sie ist beides: Junge und Mädchen. Die Eltern sind mit ihr aus Buenos Aires nach Uruguay ans Meer gezogen, weg vom Geschwätz der Leute. Bald machen auch an diesem wilden Küstenstreifen Gerüchte die Runde. Und obendrein kommt auf Wunsch der Mutter ein befreundeter Chirurg mit seiner Familie zu Besuch. Könnte, sollte man vielleicht? Dabei möchte Alex doch nur den Dingen ihren Lauf lassen, ohne ständiges Getue. Da kommt ihr Álvaro gerade recht, der sechzehnjährige Sohn der Gäste. Ein Kandidat für das erste Mal? Alvaro ist überrumpelt – und fasziniert von der herausfordernden Art, mit der Alex ans Werk geht …

17.08.2010
Prinz in Höllenland (BRD 1993, 96 min)

Regie: Michael Stock

Drogen, Sex & Liebe in Berlin Anfang der Neunziger: „Meine lieben Kinder! Ich erzähle Euch jetzt das Märchen vom schönen Prinzen, dem tapferen Müllersburschen, dem gestrengen König und dem hinterlistigen Zauberer Ätschibätschi. Das Märchen vom Prinzen im Hölleland!“ Erzählt wird dieses Märchen vom Narren Firlefanz, der mit seinem Handpuppentheater die Junkies vom Berliner Kottbusser Tor zur Vorstellung lockt. Es handelt vom Prinzen, der sich in einen Müllersburschen verliebt. Deswegen wird er vom König verbannt. Sie fliehen in den Wald des Zauberreiches Hölleland, doch ihr Glück findet ein jähes Ende, als der Prinz mehr und mehr den süßen Träumen verfällt, die das Pulver des bösen Zauberers hervorruft.
Dieses Puppenspiel bildet den Rahmen für die Geschichte vom „Prinzen“ Jockel und Stefan, deren Freundschaft an Jockels Heroinsucht zerbricht. Angesiedelt zwischen der Aussteigeridylle einer Bauwagen-Kommune, der Kreuzberger Junkieszene und schrillen Tuntenkneipen, verlieren sich Jockel und Stefan in einem Rausch aus Sex, Drogen und Eifersucht. „Prinz in Hölleland“ ist gleichzeitig ein szenegeschichtliches Dokument, denn der Film zeigt Kreuzberg, wie es einmal war. Und lädt ein in vergangene Orte wie das Café Anal oder die legendäre O-Bar.

24.08.2010
Der 2.Juni 1967 (BRD 1967, 47 min)

Regie: Giefer, Thomas und Minow, Hans-Rüdiger

Der Dokumentarfilm schildert detailliert die studentischen Protestaktionen um den Besuch des persischen Schahs in Westberlin die am Abend des 2. Juni zur Erschießung Benno Ohnesorgs durch den Staatsschutzbeamten Kurras führten. Giefers und Minows Film diente auch dem studentischen Ermittlungsausschuss, der sich nach der Ermordung Benno Ohnesorgs konstituierte, als Beweismaterial für den Notstandseinsatz der Westberliner Polizei, die mit dem Segen des SPD-Senats mit bürgerkriegsmäßigem Einsatz gegen die Demonstranten vorging. Viele der ehemaligen Studierende der DFFB (Film- und Fernsehakademie) sind noch heute überzeugt, dass die Schüsse aus der Waffe von Kurras, die Benno Ohnesorg töteten, eigentlich Thomas Giefer galten. Thomas Giefer stand an prominenter Stelle der Observationsliste der politischen Polizei, da er bereits vor dem 2. Juni Übergriffe der Polizei filmisch dokumentiert hatte. Giefer und Benno Ohnesorg sahen sich sehr ähnlich und die Zivilfahnder der Staatsschutzabteilung hatten Order sogenannte „Rädelsführer unschädlich“ zu machen. Gemeinsam mit Hans-Rüdiger Minow wird Thomas Giefer im November 1968 wegen seines politischen Engagements von der DFFB verwiesen.

UND

Terrorister (SE, 2003/ 85 min)

Regie: Stefan Jarl, Lukas Moodysson

Film über die Proteste gegen den EU-Gipfel in Goetheburg. Der Film porträtiert in eindringlicher Weise vier Aktivist_innen, die für Bagatellen in Haft saßen. Während der Proteste 2001 wurde (wenige Monate vor Genua) scharf auf Demonstrant_innen geschossen. Der schwerverletzte Hannes Westerberg ist einer der vier porträtierten Genoss_innen.

31.08.2010
Die Siebtelbauern (A, 1998/ 95 min)

Regie: Stefan Ruzowitzkys

Stefan Ruzowitzkys Voralpensaga: Ein Bauer im Mühlviertel vermacht seinen Nachbarn den Spott, dem Pfarrer den Hohn. Die Knechte kriegen den Hof. Die Vergesellschaftung von Landwirtschaft schildert Ruzowitzky als großes Revolutionstheater, die Überhöhung des Heimatfilms schuldet ihre Mittel der Werbung ebenso wie dem Surrealismus, aber fast alle Effekte sind mit großer Sicherheit gesetzt. Dem Milieu dieses „Alpenwesterns“ angemessen karg im Ton, wuchtig in den Bildern, drastisch in Sprache und Handlung, wird hier vorgeführt, daß Freiheit ausschließlich eine Frage von Besitz ist. Eine präzise Geschichte von Emanzipation.

07.09.2010
The Weather Underground (USA 2002, 92 min)

Regie: Green, Sam und Siegel, Bill

In den sechziger und siebziger Jahren war die Polarisierung der politischen Situation in den USA akut mit dem Vietnam-Krieg und den Kampf um die Bürgerrechte verbunden. Gegen die scheinbar wirkungslosen Methoden des friedlichen Protests und Widerstands entwickelte sich aus der Protestbewegung der sechziger Jahre heraus eine militante Fraktion, die sich den Namen Weather Underground gab. Sie suchte den Kontakt mit den Black Panthers – den militanten, um ihre Rechte kämpfenden Schwarzen – und führte in der Folge bewaffnete Aktionen und Anschläge in den USA durch. Der Film zeigt einen Rückblick auf die Zeit, lässt Aktivisten von damals sprechen und denunziert die vom FBI angewandten illegalen Methoden in der Bekämpfung der Revolte.

14.09.2010
Z – Anatomie eines politischen Mordes (Gr, 1969)

Regie: Constantin Costa-Gavras

In einem nicht namentlich genannten Staat, in dem Militär und Königshaus herrschen und die Demokratie immer mehr verloren geht, wird Opposition als „kommunistischer Mehltau“ nur widerwillig geduldet. Als eine pazifistische Oppositionsgruppe eine Veranstaltung mit einem populären Universitätsprofessor, Abgeordneten und NATO-Kritiker durchführen will, werden dieser Veranstaltung zunächst Steine in den Weg gelegt, der Politiker wird am Ende der Veranstaltung unter den Augen der Polizei ermordet.

21.09.2010
Schlacht um Algier (I/ Alg.,1966/ 121 min)

Regie: Gillo Pontecorvo

Film über den französisch-algerischen Krieg von 1954-1969. Erster Film mit realistischer Darstellung von Häuserkämpfen. Soll auch in Stadtguerillakreisen fleißig rezipiert worden sein. Klassiker!

28.09.2010
Bamboozled (USA, 2000/ 130 min)

Regie: Spike Lee

Mit Bamboozled hat Spike Lee aus Rassismus und der Frage, wie sich Persönlichkeitsbilder kaufen und verkaufen lassen, eine brisante Mischung geschaffen. Der frustrierte TV-Drehbuchautor Delacroix (Damon Wayans) ist durch einen Vertrag geknebelt und versucht, gefeuert zu werden, indem er ein Konzept für eine neue Minstrel-Show mit allem Drum und Dran entwirft, in der nach dem alten Muster Weiße in die Rolle von Schwarzen schlüpfen, um diese lächerlich zu machen. Trotz Protesten wird die Show zu einem Riesenerfolg. Langsam aber sicher gerät allerdings das seelische Gleichgewicht aller Beteiligten ins Wanken.