Polizeiaktion gegen „unsachgemäße Nutzung des öffentlichen Straßenlandes“

Am Mittwoch gegen 7.30Uhr war erneut schwer bewaffnete Polizei am Hausprojekt Liebigstr. 34, um einbetonierte und am Haus montierte Sitzbänke rauszureißen. Dabei sind Teile der Fassade ramponiert worden. Zusammen mit der BSR entfernten sie alles was den Platz etwas wohnlicher gemacht hat. Die Löcher füllten sie mit Asphalt. Danach bewachten LKA-Beamte den Dorfplatz und nahmen später drei Personen fest, die angeblich versucht haben sollen den noch heißen Asphalt wieder zu entfernen, was wohl Sachbeschädigung und sowas lustiges wie „unsachgemäße Nutzung des öffentichen Straßenlandes“ sei.
Schon am Montag früh hat die Polizei eine ähnliche Aktion zusammen mit dem Ordnungsamt durchgeführt und war , trotz schwerem Gerät, offenbar nicht fertig geworden. Zur Begründung, heißt es in der Polizeipressemeldung: „das öffentlichen Straßenland für die Allgemeinheit wieder gefahrlos nutz- und begehbar zu machen“. Angeblich hätten die BewohnerInnen sie daraufhin mit Säure (wohl eher Wasser) abgeduscht. Dass sich heute natürlich wieder unzählige Menschen am Dorfplatz versammeln, neue Sitzmöglichkeiten schaffen und fröhlich miteinander die Weltlage diskutieren steht außer Frage. Dass seit 18 Uhr auch die berüchtigte Berliner Einsatzhunderschaft 23er im Kiez mürrisch Streife fährt, auch.

Die heutige erneute Demontage des Dorfplatzes ist allerdings nicht den wutgetränkten Hitzewallungen übermotivierter Polizeibeamter geschuldet. Auch dürfte nicht die spontane Amtshilfe für das Ordnungsamt für die Eskalationsbestrebungen ursächlich sein. Vielmehr reiht sich der Vorfall heute morgen ein in eine Vielzahl übertriebener Polizeieinsätze auf dieser Ecke in den letzten Monaten. Offensichtlich bereitet sich die Berliner Polizei auf eine illegale Räumung des Hausprojekts gegenüber, der Liebig14, vor. Damit es dabei nicht zuviel Wirbel in der liberalen Öffentlichkeit gibt, müssen Schlagzeilen von säurespritzenden, den-Verkehr-zum-Erliegen-bringenden Chaoten her, die dann regelmäßig der Liebig14 zugeschrieben werden. Dass der Dorfplatz, also einige Sitzmöglichkeiten im Kreuzungsbereich Liebig Ecke Rigaerstr. ausschließlich vor der Liebig34 stehen, stört die schlecht informierten KommentatorInnen bei der anstehenden Räumung dann wohl wenig. Hauptsache die Tags „Liebig14″ | „Brandstiftung“ | „verletzte Polizei“ stehen weit genug oben im google und twitter-Ranking.