Archiv für April 2010

Razzien in Berlin Buchläden

Über den Schwarze-Risse Newsletter kam es kaum, dass die Beamten die Läden verlassen hatten:

So langweilg dies inzwischen erscheinen mag: heute wurden erneut beide Läden von Schwarze Risse, der Buchladen OH 21 und der Antifa-Laden RedStuff durchsucht. Bereits am Vorabend wurde der Laden M99 durchsucht. Gesucht wurden Zeitungen wie die „Interim“, „Radikal“, „Prisma“. Alle enthalten angeblich „Aufrufe zur Gewalt“ und andere schlimme Dinge. Vor allem aber handelt es sich um unzensierte linke Publikationen, die außerhalb staatlichen Zugriffs inhaltliche Beiträge zu linksradikalen Debatten liefern.
Dies führte in der Vergangenheit immer wieder zu polizeilichen Repressalien, erinnert sei an die Radikal-Verfahren Mitte der `80er und die Kriminalisierung von Schriften diverser bewaffneter Gruppen in den 70er und `80er Jahren. Diesen staatlichen Angriffen konnte z.T. erfolgreich begegnet werden.
Wir hoffen, dass dies auch jetzt gelingen wird. Wir gehen allerdings auch davon aus, dass diese verstärkten Angriffe im direkten Vorfeld des 1. Mai der Kriminalisierung und Einschüchterung dienen sollen. In diesem Sinne: Heraus zum 1.Mai

Is natürlich ne Riesensauerei der Staatsmacht gegen unsere Strukturen, brauchen wir nicht betonen. Geht also alle in die betroffenen Läden, kauft mal was und verschenkt Schokolade! Dieser Ärger, den die Angestellten immer wieder wegen jedem Fetisch-Flyer, haben, grenzt an Mobbing am Arbeitsplatz.

Am Rande der Bedeutungslosigkeit fühlt sich indes das Infoladen Daneben Team. Die „einschlägigen“ linken Buchläden seien am 29. April, kurz vor dem 1. Mai in Berlin durchsucht worden. Nur der Infoladen Daneben mal wieder nicht. Wahrscheinlich liegts nur an unseren ausgefeilten Ladenöffnungszeiten, die nach Dienstschluss der Staatsanwaltschaft liegen. Naja, wollen wir uns nicht beschweren. Die klauen sowieso immer die Pakete mit den frischen Drucksachen…

Vernunft-Appelle müssen scheitern!

Hegel meint dass es niemals einen Königsweg zur Verhinderung eines Naziaufmarschs gibt. Zwei seien deshalb hier vorgestellt. Und Samstag auf der Straße immer dran denken: Vernunft ist niemals nicht Rationalität sondern nur Wahrheit für den, der die Entscheidung trifft, dass sie für ihn gilt.

McKinsey: Mehr rausholen aus Berlin

„Aus Liebe zur Stadt“ haben die Wirtschaftsberater von McKinsey ohne Auftrag mal eben Berlin auf Wirtschaftlichkeit und Wachstumsbranchen überprüft und stellen 500.000 neue Jobs in Aussicht wenn die Politik nur endlich das macht was sie sagen. Eigentlich muss sowas beauftragt werden, aber um die wegweisenden Ideen, der McKinsey-Klientel unter die Leute zu bringen arbeitet man auch mal umsonst bzw. wird von dritten finanziert die das lancieren wollten was in der Studie steht.
Es ist ein bekanntes Konzept wenn sich die Verwaltungsebene/ Untergebene/ Parteifreunde den visionären Einzelgängen von Regierenden verschließen: Ein angeblich objektives Beratungsunternehmen wird zur Evaluierung eingesetzt. Vorgeschlagen wird meist ein schlechter Kompromiss, der nun nicht mehr auf Ideologie beruht sondern „nur“ Wirtschaftlichkeit in den Mittelpunkt rückt. Idealerweise ist danach der Streit gelöst, die Verwaltungsroutinen, der Apparat und die langfristigen Konzepte zum Städtebau können über Bord geworfen werden. Das mögen einige als Reinigung des verstaubten Berlins betrachten. Dieser ganze McKinsey-Quatsch würde uns nicht scheren, wenn nicht am Ende noch fiesere Strukturen aus den Trümern entstehen würden, als uns ohnehin schon den Alltag vermiesen. Aber wer darf eigentlich gesellschaftliche Bedürfnisse formulieren? Dass McKinsey mehr zugehört wird, als sozialen Bewegungen ist eigentlich skandalös. Problematisch wird es, wenn sich nicht ganz so bescheuerte Leute davon einlullen lassen weil ein paar standard-hippie-Schlüsselreize drin sind: Kristiana Pezzei baut auf der McKinsey-Studie gar ihre Stadt-Utopie („Die langsame Stadt“) in der alle Fahrrad fahren und trotz sozialer Unterschiede nebeneinander leben müssen (das kann man weder den Superreichen noch der nach oben hechelnden Unterschicht antun). Pezzei merkt nicht was McKinsey verschweigt: Es geht vorrangig um neue Märkte, um ausgefeilte Kapitalakkumulation und Warenzirkulation und bestimmt nicht um den sozialen Frieden durch gerechtere Aufteilung des gesellschaftlichen Reichtums. Statt von allen das Abstrampeln für das Klimagewissen zu fordern, sollte viel eher nach den Folgekosten des Wirtschaftens und der Nonsenseproduktion einzelner gefragt werden. Die werden bisher eben jenen aufgehalst, die am wenigsten davon haben.

1. Mai Naziaufmarsch unmöglich machen Mobivideo

Neu aus dem Infoladen Kellerstudio..


.. heraus zu den Aktivitäten gegen den geplanten Naziaufmarsch am 1. Mai.

Unser Beitrag für mehr Panik beim NPD-Landesverband und der GdP, für mehr Schreibeifer bei den Tageszeitungen, für eine gerichtsfeste Legitmierung des polizeilichen Notstands. Ja, am 1. Mai wird es in Berlin keinen Naziaufmarsch geben. Und weil ein Video meistens mehr sagt als tausend Worte

Hamburger Distinktionsgewinn?

Weil wir zu selten Videos online stellen

Soviel zu: „Die einzige Gefahr am 1. Mai ist, dass er durch den Medienkrawall auch für die beteiligten Akteure selbst zum einfallslosen Klischee und zum apolitischen Stigma für richtige und wichtige Forderungen und Organisierungsprozesse wird.“

Rice-Up Abend mit Mietshäusersyndikat


Infoveranstaltung zum Thema Hausprojekte. Das Mietshäuser-Syndikat stellt uns Grundlegendes zu Vorraussetzungen und Problemen beim Hauskauf vor. Dazu gibt’s leckere vegane Vokü und Kneipe im Anschluss.

Dienstag, 13. April, 21 Uhr im XB-Liebig (Liebigstr. 34, Berlin-Friedrichshain)

1. Mai: „They have their fun and we have ours.”

Das Kribbeln in den schwitzigen Fingern…der Eifer härter zu sein als andere…die strenge Haltung am Rechner…die schirmenden Tasten…der Zeitdruck…die RessortleiterInnen…der Gefälligkeitsjournalismus oder gar die Angst den Job zu verlieren. Was auch immer die Berliner Presselandschaft vor dem 1.Mai, quasi ritualisiert, dazu treibt jede Demo zur Gefahr für die Demokratie, jedes Treffen von mehr als drei Personen zum Landfriedensbruch und jede politische Aussage zum apolitischen Ausdruck einer Null-Bock-Generation der Nuller-Jahre zu stilisieren – der ExBerliner hällt sich nicht an den common sense, zeigt offen Sympathie für DemonstrantInnen, gibt RoteHilfe-Demotipps und warnt vor durchdrehenden Bullen (gefühlte Meinung von 60% der BerlinerInnen, leider selten in der Zeitung). Die Berliner Zeitung erregt dieser mutige Vorstoß, wo doch grad erst beim Osterfeuer im Mauerpark knapp 100 Leute draußen unangemeldet ordnungswidrig gefeiert haben sollen, bis die Polizei kam. Dann die unverholene Ankündigung des 1.Mai-Nazifrei Bündnis den Naziaufmarsch am 1. Mai zu blockieren UND die Staatsanwaltschaft die nicht im Vorfeld dagegen vorgehen will. Offensichtlich, zumindest für die Medien, herrscht angespannte Stimmung in der 4-Millionen Metropole. Da hilft auch der Aufruf aller Fraktionen im Abgeordnetenhaus einen kühlen Kopf zu bewahren, nichts. Zur Beruhigung: Auch diesen 1. Mai wird Berlin überstehen. Jetzt mal ehrlich: Die recherchemüden JournalistInnen sollten froh sein eine garantierte Erste Seite und volle Kommentarspalten am 2. Mai schon in der Schublade zu haben (nur noch Zahlen der Festnahmen und der „verletzten“ PolizistInnen eintragen). Der Wunsch nach kleinbürgerlicher Ruhe und Beschaulichkeit, nach Provinz, dörflicher Barbarei, Gartenzwergen und Monokultur ist eigentlich untragbar für die Medienlandschaft einer Großstadt. Kryptofaschistisch, kleinlich, peinlich (schlimm) und gelangweilt (das schlimmste) ist der Blätterwald vom 1. Mai. Dass es endlich mal wieder was anderes zu lesen gibt, ist dem englischsprachigen Magazin ExBerliner zu verdanken, das sich die Mühe gemacht hat Geschichte, Hintergründe und Fakten zum 1. Mai zusammenzutragen und den eigenen Blickwinkel (den der avantgardistischen Pop-Kultur-Politik-Kritik) nicht gegen die CDU-Law&Order Perspektive bayrischer Prägung auszutauschen. Dass dieser Artikel so viel Gewese macht und als „mutig“ gelten kann, zeigt nur wie irre bequem der Rest der Journalie ist. Aber in einer Stadt in der offen über ein Schwarz-Grünes-Bündnis nachgedacht werden darf…
Der Berliner 1.Mai ist laut ExBerliner ein kulturelles, weil gesellschaftliches, Event, welches niemand verpassen sollte der/die vorne mitspielen will. Die unverholene Freude gilt nicht einem verstaubten Ritual, sondern dem wiederkehrenden Ausblick auf was neues, auf Bewegung in dieser muffigen durchgestylten Provinzhauptstadt. Das spannende sind die Fragen und die Hoffnungen, die der Krawall und der Streit um ihn aufwirft. Sonst ist ja nich so viel los worum es sich zu streiten lohnt. Die einzige Gefahr am 1. Mai ist, dass er durch den Medienkrawall auch für die beteiligten Akteure selbst zum einfallslosen Klischee und zum apolitischen Stigma für richtige und wichtige Forderungen und Organisierungsprozesse wird. Dass es dieses Jahr erstmals seit langem wieder ein beachtlich politisches 1.Mai-Jugendinfo gibt, zeigt zumindest dass die Hobby-JournalistInnen von der Antifa nicht so schreibmüde sind, wie der Rest.

Es grünt und blüht: Nachbarschaftsgärten

Ende Februar entschieden sich Bewohnerinnen und NutzerInnen der Liebig34 dazu den Hof zu begrünen und für Veranstaltungen nutzbar zu machen. Einen Monat später sind die Resultate zu sehen. Nach einer großen Entrümpelungsaktion, wurden Steine geschleppt, Hochbeete gemauert, Erde gesiebt, Bäume gekürzt und die ersten Pflanzen in die Erde gebracht. Kontinuierlich wird es nun weitergehen. Erste Eindrücke auf unserem super neuen Infoladen Daneben Flickr-Account.

Aber wir sind nicht allein. Überall entstehen gerade viele Nachbarschaftsgärten, beschäftigen sich Menschen mit Ausbeutung, Kommunalität, politischen Dimensionen von Landwirtschaft und der Nutzung von Stadt (z.B. die Gemeinschaftsdachgärten). (mehr…)