Hausprojekt Bödi9 verliert Erdgeschoss

Angekündigt war eine Aktionswoche für die Bödi9.

Die BewohnerInnen der Bödi9, die auch von den Abgeordneten Halina Wawzyniak, Dirk Behrendt und Hans-Christian Ströbele sowie Bezirksbürgermeister Franz Schulz unterstützt werden, forderten die Eigentümer auf, auf die heutige Räumung der Wohnung im Erdgeschoß zu verzichten und sich auf erneute Verhandlungen einzulassen. Außerdem wurden UnterstützerInnen und NachbarInnen zur Teilnahme an der laufenden Aktionswoche und zum Protest am Tag der Räumung aufgerufen.

Heute mittag gab es trotzdem die Räumung des Erdgeschosses, brutale Bullen, Pfeffer, Verletzungen, zehn Festnahmen, Sachschaden (News auf dem Blog der Bödi9) . Bevor der Widerstand vor dem Haus unverhältnismäßig hart gebrochen werden sollte, wollte das Amtsgericht Lichtenberg noch schnell die Notbremse ziehen und die Räumung absagen. Aber die Cops entdeckten die Hintertür und sägten die Wohnungstür auf. Versiegelt wurde nicht – offenbar also nur eine Kraftprobe der Bullen, wer wann wie Häuser betreten oder räumen darf. Aber warum wurde überhaupt der Räumungstitel vollstreckt?
Wie in der taz nachzulesen ist, ging es um die Gültigkeit einer Bleistiftnotiz in einem vor langen Jahren geschlossenen Vertrag:

Eine Kündigung durch den Eigentümer wurde vom Lichtenberger Amtsgericht bestätigt mit der Begründung, dass es sich bei den Räumen im Erdgeschoss nicht um Wohnraum handele. Grund war ein handschriftlicher Eintrag auf dem Anfang der 90er-Jahre mit dem damaligen Hausbesitzer geschlossenen Vertrag. Der hatte beim Erdgeschoss mit Bleistift das Wort “Hobbyräume” eingetragen. “Wir haben die juristische Bedeutung dieses Vermerks nicht erkannt”, meint Bewohner Jörg Friedrich.



Video des Freundeskreis Videoclips

Die Geschichte der Bödi9 beginnt Anfang der 90iger Jahre. In der Selbstdarstellung bei United We Stay lesen wir ab wann es problematisch wurde:

Im Mai 2007 wurde der gesamte Gebäudekomplex, in dem sich die Bödi 9 befindet, an neue Eigentümer_innen verkauft. Die Platinum Consult s.r.o., in Bratislava gemeldet, führt eine vollständige Sanierung und Modernisierung des gesamten Komplexes durch, welche nicht nur die Struktur des Hausprojektes gefährdet, sondern die Wohn- und Mietverhältnisse des gesamten Blocks langfristig zum Nachteil der Mieter_innen verändern wird. Seit dem Beginn der Baumaßnahmen im Juni 2007 sind gegenüber der Bödi 9 luxuriöse Eigentumswohnungen entstanden, wodurch das Hausprojekt bereits Hof und Garten, inklusive eines Großteils der über zehnjährigen artgeschützten Bäume, verloren hat. Unser Garten ist nun ein Parkplatz. Nachdem eine Kooperation mit den neuen Eigentümerin von den Bewohner_innen der Bödi 9 abgelehnt wurde, da diese u.a. eine Mieterhöhung von über 200% des bisherigen Mietpreises beinhaltet hätte, wurden alle Wohnungen des Hausprojektes am 8. April 2008 zu Unrecht fristlos gekündigt.


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