Archiv für Februar 2010

Extremismus-Veranstaltung + Reader „Voll Extrem“ jetzt online

Die Veranstaltung „Total Extrem“ am 17. Februar im Festsaal Kreuzberg mit Wolfgang Wippermann, Ulla Jelpke und Michael Weiß ist jetzt schon, in etwas primitiver Qualität, online. Wir wollten nicht so lang warten bis die offizielle Version rauskommt, weil es massig Anfragen von außerhalb gab wie die so war und wir keinen elendlangen Bericht schreiben wollten. Als MP3 (60min)

Die Neuauflage unseres Readers „Voll Extrem“ ist jetzt, nach penetranten Aufforderungen, als PDF erhältlich. Schlechte Qualität, kein Text nur Bilder, aber zum Ausdrucken ok. Für alle denen das nicht reicht bleibt der Weg in den Infoladen oder der Postweg (ja, wir nehmen Bestellungen an und bearbeiten die auch bei Zeiten). Wir haben die PDF aufgrund der Gesamtgröße von 12mb in die vier inhaltlichen Schwerpunkte aufgeteilt.

Die einzelnen Teile als PDF:
1. Regierungskoalition CDU/CSU/FDP
2. Extremismus/ Totalitarismustheorie & Verfassungsschutz
3. Andi-Comic
4. Berliner Debatten

Inhaltsverzeichnis der vier Teile: (mehr…)

MP3: Entmystifizierung von Horst Wessel

Beim Offenen Antifa Cafe im Friedrichshainer Vetomat, das die Antifa Friedrichshain monatlich abhält, wurde gestern mit historischen Fakten die Durchsetzungsgeschichte der NSDAP im roten Friedrichshain anschaulich gemacht. Aufhänger ist der 80igste Todestag des SA-Führers Horst Wessel, um den sich einige Mythen rank(t)en. Jörg Sundermeier war in der TAZ am Montag noch besorgt, dass der Historiker und Autor Oliver Reschke möglicherweise zur weiteren Mythenbildung im Fall Wessel beitragen könnte. Die Bedenken im Blick setzten sich die beiden Referenten auch kritisch mit der Antifa-Rezeption dieses angeblichen „nationalen Mythos“ auseinander und gaben Tipps mit diesem Nazihelden umzugehen. Im Gepäck hatten sie das neue Buch von Daniel Siemens „Horst Wessel – Tod und Verklärung eines Nationalsozialisten“, der mit einigem Aufwand neue Quellen aufgetan hat und damit einen wesentlichen Beitrag zur Aufklärung geleistet hat.

Das Referat als MP3

Extremismusveranstaltung und Friedrichshainer Geschichte

Zwei Veranstaltungen, die uns besonders am Herzen liegen.

17.02.2010: Abendveranstaltung „Total Extrem“
19 Uhr Festsaal Kreuzberg (Skalitzer Strasse 130)

Es sind wieder extreme Zeiten angebrochen. Mit dem Vorwurf des „Extremismus“ sollen politische Strömungen, die von einer undefinierten aber angeblich richtigen Mitte abweichen, stigmatisiert und isoliert werden. Der Extremismusansatz hat mit der Totalitarismustheorie bereits eine lange Geschichte und begründet auf vermeintlich wissenschaftlicher Basis die Gleichsetzung gegensätzlicher politischer Richtungen.
Mit der schwarz-gelben Bundesregierung gibt es aktuell Vorstöße über das übliche Maß der politischen und ideologischen Gleichsetzung von „Linksextremismus“ und „Rechtsextremismus“ hinauszugehen. Die neue Regierung plant Bundesmittel fortan gegen alle „Extremisten“ zu verwenden. Wer als extrem ge(t)adelt wird, soll aus der politischen Arena verdrängt werden. Während der Verfassungsschutz plötzlich machtvolle Bildungspolitik betreiben kann, müssen manche nicht-staatliche Bildungsträger qua Extremismusvorwurf, um ihre Existenz bangen. Die sog. Zivilgesellschaft soll stärker als bisher nach staatlichen Vorgaben handeln und strukturiert sein.
Über die Theorien des Totalitarismus und Extremismus und deren politische Funktion wollen wir aufklären und diskutieren, sowie überlegen, wie wir diesen politischen Angriffen entgegentreten können.

Mit Prof. Wolfgang Wippermann (FU Berlin), Ulla Jelpke (MdB Die LINKE), Michael Weiss (Apabiz, Autor)

und

18.02.2010: 80 Jahre Horst-Wessel-Mythos
Vetomat (Scharnweberstr. 35) 19 Uhr

Von der Durchsetzungsgeschichte der NSDAP im Roten Friedrichshain. Mit Oliver Reschke (Autor des Buches “Der Kampf der Nationalsozialisten um den roten Friedrichshain 1925–1933”)

Am 23. Februar vor 80 Jahren verstarb der SA-Führer Horst Wessel an einer Blutvergiftung im Friedrichshainer Krankenhaus. Nachdem er im Januar 1930 vom Rotfront-Kämpfer Albrecht Höhler ins Gesicht geschossen wurde, verweigerte er einem jüdischen Arzt in der Ambulanz Hand an seinen „arischen Körper“ zu legen. Obgleich sein Tod unspektakulär war, wurde er vom NSDAP-Propagandachef Goebbels als „Märtyrer für Deutschland“ gefeiert und später sogar der ganze Friedrichshain nach ihm benannt.
Opfermythen halten sich bekanntlich ungeachtet aller Transformationen durch die Jahrhunderte. So auch bei Horst Wessel, der gerade mal 22 Jahre alt wurde und dessen Wirken sich darauf beschränkte, das Lied „Fahne hoch“, die Melodie eines damaligen Gassenhauers, mit neuem Text zu unterlegen und mit seinem SA-Sturm Friedrichshain zwischen 1929 und ´30 durch Gewaltexzesse unsicher zu machen.
Auch heute noch lebt der Mythos Horst Wessel fort, „Die Fahne hoch“ ertönt als Klingelton, und die mit ihm verbundenen jugendlich-rebellisch aber dennoch soldatisch-statthaften Tugenden sind identitätsstiftend für kriegs- und pfadfinderbegeisterte Neonazis. Alle Jahre wieder erscheinen Bücher zum Mythos Wessel – welche wahrscheinlich nicht unwesentlich zur weiteren Rezeption beitragen. Ein Entmystifizierungsabend von und für HobbyhistorikerInnen, die sich über Wessel hinaus mit dem Übergang der Weimarer Republik zum deuschen Faschismus beschäftigen wollen.

Mit dem Autor Oliver Reschke “Der Kampf der Nationalsozialisten um den roten Friedrichshain (1925–1933)

Heute RiceUp: Von Konservatismus zur Neuen Rechten

Infoveranstaltung mit Vortrag zur Neuen Rechten und dem rechtem Rand der Gesellschaft. Angesichts der Extremismusdebatte, einer konservativen Bundesregierung, studentischen Korporationen und dem Diskurs um die sogenannten Vertriebenen, finden wir es als Antifaschist_innen unverzichtbar, sich mit rechten Strukturen und Denkmustern jenseits von NPD und sogenannten freien Kräften auseinander zu setzen. Außerdem wie immer lecker vegane Vokü, Tresen, Abhängen mit Mucke und Kicker.

Dienstag, 9.2., ab 19.30 im XB-Liebig (Liebigstr. 34, Friedrichshain)
RiceUp – Der monatliche Finanzierungsabend des Infoladen Danebens

Steuergelder ausgeben: Bürgerhaushalt diskutieren

Seit 2008 gibt es den Bürgerhaushalt in Friedrichshain-Kreuzberg. Der Bezirk stellt einen relativ kleinen Geldbestand zur freien Verwendung. Auf Regionalversammlungen in den Stadtteilen diskutieren BürgerInnen Ideen, stimmen ab und ein Jahr später werden dann Projekte unterstützt. Das ganze soll einen partizipativen Bürgerhaushalt für eine integrierte Stadtentwicklung von unten befördern, ist aber aufgrund des geringen Etats und strukturellen Grenzen nur ein Versuch – trotzdem amüsant zu hören was die NachbarInnen so vorschlagen, Kontakte zu knüpfen und weitergehende Forderungen an das Bezirksamt zu artikulieren. Wie so eine Veranstaltung aussieht beschreibt Frau Klein aus Lichtenberg.

Die Versammlungen finden in den nächsten zwei Wochen statt.

Vorschläge können ab sofort auch über die Homepage gepostet und besprochen werden:

Programm für die Versammlungen (mehr…)

2. Auflage: Reader zur Extremismustheorie

Die erste Auflage von 100 Stück ist vergriffen und wir haben viele Rückmeldungen, Änderungsvorschläge und Ergänzungen bekommen. Anläßlich der Veranstaltung „Total Extrem“ mit Prof. Wolfgang Wippermann (FU Berlin), Ulla Jelpke (MdB Die LINKE) und Michael Weiss (Apabiz, Autor) am 17.02. im Festsaal Kreuzberg haben wir den Reader überarbeitet. (mehr…)