Ähnlich: Gentrification in Williamsburg (NY)

Die ganze Debatte um Gentrifizierung will nicht abreißen und bewegt sich laut Andrej Holm endlich in ordentliche, weil wohnungspolitische, Bahnen. Eine unserer derzeitigen Lieblingsband „TV on the radio“ aus New York ist Teil der US-amerikanischen Diskussion um den Umbau der Städte. Im Stadtteil Williamsburg (Brooklyn) war es die kreative Bohème, Kulturschaffende und vor allem MusikerInnen wie die Grizzly Bears, die Yeah Yeah Yeahs und andere Indie-Rock-Bands die sich in Brooklyn versammelten und Pionierarbeit leisteten. Im Interview Ende 2006 gibt „TV on the Radio“ zu Protokoll:

„Williamsburg as a home for raw art and ideas is weakening; this particular last bastion is getting consumed like anything else, possibly quicker than most.“

Die Upper-Class der White-Collar Businessmen übernimmt den Stadtteil und zahlt was verlangt wird. Die Frage nach der „gentrification-guilt“ macht die Runde. Denn was in der US-Debatte vernachlässigt wird, ist der eigene Anteil der Indie-Pioniere. Einerseits feiert das Blogprojekt FREEWilliamsburg immer noch die Kreativwirtschaft im Stadtteil, während das Partnerprojekt hipsterhandbook.com selbstironisch versucht die ehrlichen KünstlerInnen von den unauthentischen (das schlimmste was passieren kann) Hippstern zu trennen. Der Gegenblog registriert die Veränderungen ohne fadenscheiniges Augenzwinkern.

Das manchmal lesenswerte Beatpunk-Magazin hat die Punkband „Parts & Labor“ aus Brooklyn dazu interviewt:

„Artists moved into the neighborhood, living in converted warehouses and factories, and generally making the area both safer and fashionable, paving the way for development and profit seekers. Personally, I was evicted from my loft space (then a commercial space, since rezoned for mixed use and ostensibly residential) by the buildings and fire departments in 1999. A few weeks, the residents of another commercial warehouse in the Southside of Williamsburg have been evicted for building code violations. This sort of thing is continually happening in an area where artists are seeking cheaper living situations and landlords are shady enough to provide them illegally.“

Gitarrist von TVotR David Sitek findet nur noch zynische Worte im Interview mit der New York Times 2007:

“They build one skyscraper, and skyscrapers get lonely,” Mr. Sitek said in his three-pack-a-day rasp, lighting up in the alley alongside his favorite Williamsburg club, Zebulon. “So then they call their friends and more skyscrapers come, and they throw a party. And the next thing you know there’s a skyscraper blogging about the skyscraper scene in Williamsburg.”

Lesenswertes für Andrej und die anderen, die gestern im Hebbel am Ufer bei Life is Live waren und denen die Selbstreflektion der Boheme-Kaste zu kurz kam: Patch, Jason. „Where the Gentrification Frontier Extends: Displacement, Disinvestment, and Deindustrialization in Brooklyn“


3 Antworten auf “Ähnlich: Gentrification in Williamsburg (NY)”


  1. 1 TVOTR 18. Januar 2010 um 9:08 Uhr

    Hey, danke fürs verlinken! Sehr schön zusammengestellt. Es gibt noch ein Interview mit Dave Sitek am 16. September 2008 aus dem Musikexpress und eine mail an Pitchfork am 12. Juni 2009. Dort steht auch noch ein Zitat von Jneiro Jarel, der wie Sitek heute in LA lebt und arbeitet.

  2. 2 Beatpunk Webzine 24. Januar 2010 um 18:56 Uhr

    „Das manchmal lesenswerte Beatpunk-Magazin“ Hallo? ;-)

  1. 1 links for 2010-01-18 | AntiTerra Pingback am 18. Januar 2010 um 15:01 Uhr
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