Archiv für Januar 2010

Liebig14 20igster Geburtstag oder Abschiedsparty?


Attac wird 10, die Liebig 14 wird 20 und die Grünen 30 Jahre alt.
Vom 28.1. bis 6.2. wird es rund um das Haus Live-Konzerte, Infoveranstaltungen, Performances, Pyro, Ausstellungen, Workshops, Kabarett, Aktionen, Tanz, Lesung, Installationen, Feuertonnen, Kino, Puppenspiel, Kinderaction, Theater, Futter, Bar, Diskussion, Party und vieles mehr geben.

Zufall: Extremismus-Veranstaltung hat mit Analyse leider recht

Zufälle gibts… Einen Tag nach der Veranstaltung „Alles Extremismus“ bei der vor einer Kriminalisierungs- und Spaltungswelle gegen Antifas gewarnt wurde, durchsuchte das Berliner und das sächsische Landeskriminalamt auf Anordnung des Dresdner Ordnungsamtes (die Versammlungsbehörde in Dresden) den Kreuzberger Laden „Red Stuff“, sowie die Landesgeschäftsstelle der Partei DIE LINKE in Sachsen und beschlagnahmte sämtliches Material der geplanten Proteste gegen den Neonaziaufmarsch am 13. Februar. Der Aufruf zur Blockade des Aufmarsches sei eine Straftat.

„Dass unsere Voraussagen zur Stigmatisierung der Antifa so bald eintreten würden, und auch noch so plump hyperjurisitisch, hätten wir nicht erwartet. Die Staatsanwaltschaft in Dresden tut ja geradeso, als ob es nur Paragraphen im StGb gäbe und die Lebenswelt, gesellschaftliche Aushandlung und ziviler Ungehorsam per regieder Auslegung der Paragraphen abgeschaft werden könnten. Die Massenblockaden in Dresden werden ein Ausdruck dessen sein, was wir gestern im Café Sibylle mit breiter Solidarisierung auf der Straße gemeint haben.“

so eine Vertreterin der Antifa Friedrichshain heute nach den Durchsuchungen. Wie war überhaupt die Veranstaltung gestern? Grundlage war ja bekanntlich unser berühmter Reader „Voll Extrem“, der Ende Januar in aktualisierter Auflage neu raus kommt.

Veranstaltungsbericht „Alles Extremismus“ 18.01.2010
Veranstaltung als .mp3 auf http://www.megaupload.com/?d=AKEH77M5(55mb) (mehr…)

Ähnlich: Gentrification in Williamsburg (NY)

Die ganze Debatte um Gentrifizierung will nicht abreißen und bewegt sich laut Andrej Holm endlich in ordentliche, weil wohnungspolitische, Bahnen. Eine unserer derzeitigen Lieblingsband „TV on the radio“ aus New York ist Teil der US-amerikanischen Diskussion um den Umbau der Städte. Im Stadtteil Williamsburg (Brooklyn) war es die kreative Bohème, Kulturschaffende und vor allem MusikerInnen wie die Grizzly Bears, die Yeah Yeah Yeahs und andere Indie-Rock-Bands die sich in Brooklyn versammelten und Pionierarbeit leisteten. Im Interview Ende 2006 gibt „TV on the Radio“ zu Protokoll:

„Williamsburg as a home for raw art and ideas is weakening; this particular last bastion is getting consumed like anything else, possibly quicker than most.“

Die Upper-Class der White-Collar Businessmen übernimmt den Stadtteil und zahlt was verlangt wird. (mehr…)

„Dunkelfeld – Nazis im Rhein/Main-Gebiet“ jetzt im Infoladen

Ab sofort im Infoladen Daneben erhältlich: Dunkelfeld. Recherchen in extrem rechten Lebenswelten rund um Rhein-Main, 144 Seiten.

Aus der Rezenssion bei trend-Onlinezeitung:

In den Regionen rund um das Rhein-Main-Gebiet lässt sich schon seit Jahren eine Verfestigung extrem rechter Strukturen beobachten. In manchen Gegenden ist eine rechte Alltagskultur für Jugendliche fester Bestandteil des örtlichen Lebens. Der Einstieg in das rechte Umfeld und die Ausprägung rechter Weltbilder verläuft oft nach einem ähnlichen Muster. Ziel der Publikation ist es, beispielhaft verschiedene Erscheinungsformen der extremen Rechten darzustellen und zu analysieren. Dazu unternehmen die AutorInnen zum Beispiel eine Reise von Wiesbaden nach Limburg, die durch die Orte und Dörfer im »Hinterland« führt und anhand einer ganzen Region die Etablierung einer rechten Alltagskultur beschreibt.
In über 25 Texten, die sich in sechs Kapitel gliedern, werden sowohl die örtlichen und sozialen Umfelder, in denen sich extrem rechte Strukturen entwickeln können, wie auch Handlungsoptionen im Umgang mit extrem rechter Politik und Akteuren beleuchtet und diskutiert.

Verdrängung, Brennende Autos, Gentrifizierung

Andrej juckt es manchmal, was dazu zu schreiben, weil er gern über die Stadt im allgemeinen und Berlin im besonderen schreibt. Und weil inzwischen überall steht, dass das mit Gentrifizerung zu tun hat und damit kennt er sich ganz gut aus. Ich (und andere Familienangehörige) bedrängen ihn dann, die Finger davon zu lassen. Reicht ja, dass hier regelmäßig JournalistInnen aufschlagen, die fragen, ob er mal erklären könnte, warum „diese Leute immerzu Autos anzünden“.

Während Anna also Andrej zurückhält und selbst klare Worte zur feurigen Debatte findet, schreibt der angemessen über unseren Stadtteil „Traurige Sanierungsbilanz für Friedrichshain: Nur 10 bis 15 Prozent Altmieter/innen“. Aber auch nur weil wiederum im neuen Friedrichshain-Magazin von ASUM eine Abrechnung zur Sanierung Friedrichshains gezogen wird: „Verdrängung – kein Kampfbegriff, sondern Alltag“ und er das beim Friseur gelesen hat. Oder auch nur die Sonderseite bei Bier statt Blumen gelesen:

Jetzt kommt Bewegung rein: Die rot-rote Regierung will die Warmmiete zumindest im sozialen Wohnungsbau deckeln und den Bundesrat auffordern, für alle Mieter die Belastung steigender Energiekosten zu bremsen. Die Anträge hierfür sollen demnächst in das Berliner Abgeordnetenhaus eingebracht werden.

Inge Höger (MdB, Die Linke), Michael Kronawitter (Antifaschistische Linke Berlin), eine Vertreterin der Internationalen Liga für Menschenrechte, Evrim Baba (MdA, Die Linke) und Kirill Jermak (Anmelder „Revolutionäre 1. Mai-Demonstration“, Berlin) besprechen den ganzen Schlamassel am 20.01.2010 | 19:00 Uhr | junge Welt-Ladengalerie:

Feueralarm! Was haben Grillanzünder mit Extremismustheorie, Repression und Rechtsstaat zu tun? Seit Monaten kommt es zu einer medialen Hetzkampagne und staatlicher Repression gegen die linke Szene Berlins. Von „Haßbrennern“, „Kieztaliban“ und „rotlackierten Faschisten“ ist die Rede. Betroffen sind nicht nur Autonome und Antifaschisten, sondern auch Kriegsgegner und selbst Bundestagsabgeordnete der Linkspartei. Doch wie reagiert die politische Linke auf die Hetze und die Forderung sie gesellschaftlich zu isolieren?

Morgen: Rice Up mit Film und Reader-Release

Wie versprochen kommt jetzt kein Reader mehr ohne Release raus. Also morgen, 12.01.2010, unser einjähriges Jubiläum mit dem RiceUp-Abend im XB-Liebig (Liebigstr. 34, Friedrichshain) ab 20 Uhr mit veganer VoKü, Glühwein und dem Film „Monkey Warfare“ (Kanada 2006, R.: Reginald Harkema).

Außerdem dienst der Abend zum Release unseres neuen Readers: L‘État c‘est moi – Welche Macht hat der Staat noch? Und was hat das mit uns zu tun? Zehn Beiträge von Harald Welzer, Saskia Sassen, Norbert Bolz, Wolfgang Sofsky, Günther Dux, Ernst-Wolfgang Böckenförde, Paul Nolte, Astrid Karl, Claus Leggewie und Birgit Sauer. Die TAZ-Serie zum Wahljahr 2009, die etwas untergegangen ist und deshalb von uns in Mini-Auflage für Interessierte zusammengefasst wurde. Diesen gibts auch als PDF (500kb)