Autoabfackeln: „Politisch is es, wenn die Leute drüber reden“

Eigentlich wollten wir ja was eigenes schreiben zu der Veranstaltung der TAZ am Mittwoch. Jetzt ist uns der SPIEGEL mit „Autos anzünden – ist das asozialer Quatsch oder eine Form von Kapitalismuskritik?“ zuvorgekommen.
Was sie verschweigen könnt ihr bei uns lesen: „Pogrom-Stimmung“ wurde nämlich attestiert, weil eine Menge dem Yuppie im Publikum „Dachterassen-Jumping“ vorschlug, als er doch tatsächlich den Vergleich mit 1933 machte. Ein Provokateur, der sein Kennzeichen konsequent verheimlichte.
Zu den Inhalten: Dass es bei der Berliner Polizei und bei der CDU eine „Stahlhelm-Fraktion“ gibt, war uns klar. Dass wir denen aber in die Hände spielen, wenn wir Politik links vom Senat machen ist ein Vorwurf, der nur von Parteifreunden kommen kann, denn nur sie denken in diesem „Kleine Anfrage > Presseskandal > Diffamierung von Parteien > Nötige Distanzierung > Verwaltungstechnische Neuerung präseniteren > Abheften und auf Wiedervorlage schalten“-Schema, welches die parlamentarische Bühne in Berlin beherrscht und nichts mit Demokratie zu tun hat.
Tatsächlich hat sich auf unseren Demos trotz Rot/Rot und trotz einer schwachen Berliner CDU in den letzten 10 Jahren nichts geändert. Auf die Fresse kriegt wers Maul auf macht – und in den Knast kommt wer Autos anzündet.
Was uns schon überrascht hat, war dass Bene Lux von den Grünen ernsthaft die aktive Selbstermächtigung der Bürger kritisierte. Statt sich zu freuen wie politisch aktiv und interessiert die Berliner sind, will auch er dass die Parteien alles regeln was politisch ist. Dass es aber auch viele BerlinerInnen freut wenn „so‘n dicker Mercedes“ abfackelt und das mehr ist als klammheimlich Freude, überrascht eben weniger – genau weil die Symphatie für Selbstermächtigung größtenteils besteht – nicht nur bei Szenis.
Die Vertreterin des RAW-Geländes äußerte deshalb auch Verständnis für jedes Auto was brennt, denn offensichtlich hört der Senat und die Wirtschaft nicht auf die Interessen der alternativen Kunst- und Produktivkräfte. Magst du ja halten von, was willst – wer sich hier selbstverwirklicht entwickelt eben auch den Bezirk, innovatiert das Leben hier und macht es lukrativer – in jeder Hinsicht. Wegen den Yuppies das jetzt aufzugeben ist doch banal und lebensfeindlich. Sich an dieser Frage spalten zu lassen und damit auch in guten und bösen Protest, ist doch bescheuert – drüber reden ist trotzdem sinnvoll – daher danke an Felix, den Redakteur für „Politik von unten“.

Gut der Hinweis der ALB: Am 1. Mai gehen wir trotzdem gemeinsam auf die Straße und da müssen alle ran „auch die TAZ-LeserInnen.“