Archiv für November 2009

Brunnen183: Günstig abgegeben

Niemand will verantwortlich sein für die Räumung des Hausprojekts Brunnenstr. 183. Der Hausbesitzer Kronawitter hat den BewohnerInnen das Haus vor der Nase weggeschnappt, und damit ein Gebäude in attraktiver Lage erworben. Dabei wollte er nie genau dieses Haus umbauen sondern eigentlich durch die politische Brisanz Druck auf den Senat ausüben ihm ein anderes lukrativeres Grundstück als Ersatz zu geben. Der Senat lies sich nicht erpressen und nahm den „politischen Krawall“ hin. Dass dieser nun größtenteils ausbleibt ist weder im Interesse der BewohnerInnen, noch im im Sinne des Besitzers Kronawitter. Die Hoffnung, dass alle Seiten ihre Rolle in dieser Aufführung des Kronawitter spielen, ist nicht aufgegangen. Naja, ein wesentliches Projekt (incl. Umsonstladen) und ein paar kollektiv-MierterInnen in Berlin weniger. (mehr…)

VS-Comic: „Andi von den Autonomen“

Offenbar vergeht kein Tag an dem nicht die Totalitarismus-Keule der extremistischen Mitte des Verfassungsstaats geschwungen wird. Kaum ist die neue Regierung im Amt, holt jede Lieschen Fliegenschiss ihre pseudo-Werkzeuge (wissenschaftliche oder kulturelle) gegen außerparlamentarischen Linke aus der Schublade und zwingt uns ein Statement ab. Gestern kam ein Comic des Verfassungsschutzes NRW raus. Darin wird ein Bild der autonomen Bewegung gezeichnet, wie es der VS vor Augen hat – profilierungssüchtige Kids, die mit markigen Sprüchen ihre eigene Unfähigkeit überspielen und nur durch Repression und normgerechtes Umfeld in das apolitische Dasein zurückzuholen seien. Darauf nicht eingehen zu müssen, dass die Welt nicht ganz so einfach ist, fällt uns nicht schwer. Wir belassen es daher dabei und überlassen die Interpretation den Jugendeinrichtungen in NRW.

Zur Ansicht als Download auf unserer Seite (PDF 4.4mb). (mehr…)

Autoabfackeln: „Politisch is es, wenn die Leute drüber reden“

Eigentlich wollten wir ja was eigenes schreiben zu der Veranstaltung der TAZ am Mittwoch. Jetzt ist uns der SPIEGEL mit „Autos anzünden – ist das asozialer Quatsch oder eine Form von Kapitalismuskritik?“ zuvorgekommen.
Was sie verschweigen könnt ihr bei uns lesen: „Pogrom-Stimmung“ wurde nämlich attestiert, weil eine Menge dem Yuppie im Publikum „Dachterassen-Jumping“ vorschlug, als er doch tatsächlich den Vergleich mit 1933 machte. Ein Provokateur, der sein Kennzeichen konsequent verheimlichte.
Zu den Inhalten: Dass es bei der Berliner Polizei und bei der CDU eine „Stahlhelm-Fraktion“ gibt, war uns klar. Dass wir denen aber in die Hände spielen, wenn wir Politik links vom Senat machen ist ein Vorwurf, der nur von Parteifreunden kommen kann, denn nur sie denken in diesem „Kleine Anfrage > Presseskandal > Diffamierung von Parteien > Nötige Distanzierung > Verwaltungstechnische Neuerung präseniteren > Abheften und auf Wiedervorlage schalten“-Schema, welches die parlamentarische Bühne in Berlin beherrscht und nichts mit Demokratie zu tun hat.
Tatsächlich hat sich auf unseren Demos trotz Rot/Rot und trotz einer schwachen Berliner CDU in den letzten 10 Jahren nichts geändert. Auf die Fresse kriegt wers Maul auf macht – und in den Knast kommt wer Autos anzündet.
Was uns schon überrascht hat, war dass Bene Lux von den Grünen ernsthaft die aktive Selbstermächtigung der Bürger kritisierte. Statt sich zu freuen wie politisch aktiv und interessiert die Berliner sind, will auch er dass die Parteien alles regeln was politisch ist. Dass es aber auch viele BerlinerInnen freut wenn „so‘n dicker Mercedes“ abfackelt und das mehr ist als klammheimlich Freude, überrascht eben weniger – genau weil die Symphatie für Selbstermächtigung größtenteils besteht – nicht nur bei Szenis.
Die Vertreterin des RAW-Geländes äußerte deshalb auch Verständnis für jedes Auto was brennt, denn offensichtlich hört der Senat und die Wirtschaft nicht auf die Interessen der alternativen Kunst- und Produktivkräfte. Magst du ja halten von, was willst – wer sich hier selbstverwirklicht entwickelt eben auch den Bezirk, innovatiert das Leben hier und macht es lukrativer – in jeder Hinsicht. Wegen den Yuppies das jetzt aufzugeben ist doch banal und lebensfeindlich. Sich an dieser Frage spalten zu lassen und damit auch in guten und bösen Protest, ist doch bescheuert – drüber reden ist trotzdem sinnvoll – daher danke an Felix, den Redakteur für „Politik von unten“.

Gut der Hinweis der ALB: Am 1. Mai gehen wir trotzdem gemeinsam auf die Straße und da müssen alle ran „auch die TAZ-LeserInnen.“

Polizei durchsucht Liebig34 und Liebig14

Gegen 15 Uhr wurden heute die Hausprojekte Liebigstraße 14 und das gegenüberliegende Frauen/Lesben/Trans-Haus Liebig34 von der Polizei gestürmt und zusammen mit der Staatsanwaltschaft durchsucht. In der Liebig34 wurden mehrere Türen zum Treppenhaus aufgebrochen und dann gingen die Lichter aus. Anwesende wurden ruhig gestellt und durften das Haus nicht verlassen. Das Haus wurde Wohnung für Wohnung durchsucht und dabei z.T. erhebliche Schäden angerichtet. Auch der Keller wurde aufgebrochen. Nur von den Vereinsräumen im Erdgeschoss XB-Liebig und dem Infoladen Daneben wurden die Finger gelassen. Nach zwei Stunden entspannte sich etwas die Lage – offenbar war man nicht fündig geworden. Vor den Häusern hatten sich rund 200 UnterstützerInnen eingefunden, die nach vier Stunden, so gegen 20.30 Uhr, eine Spontandemo zum Boxhagener Platz machten.

„Gefahr im Verzug“
Nach Angaben der Polizei brannte gegen 2.20 Uhr an der Proskauer Straße ein BMW. Fast gleichzeitig wurde wenige Meter weiter an Bänschstraße ein Audi angezündet. Gegen 2.55 Uhr traf es an der nahe gelegenen Friedenstraße am Platz der Vereinten Nationen einen Porsche. Die Tatorte liegen nur 2,5 Kilometer von einander entfernt und lassen sich zu Fuß in einer halben Stunde ablaufen.
Laut Medienberichten soll ein 23-jähriger in Tatortnähe festgenommen worden sein. Dieser soll in der Liebig14 wohnen. Weshalb auch in der Liebig34 durchsucht wurde ist unklar. Gesucht wurden Tatmittel und weitere Tatverdächtige. (mehr…)

20.11. Gartenpiraten treffen sich

20.11.2009, 18.30h: Buergerparks und Nachbarschaftsgaerten, Diskussionsveranstaltung
Ort: Aula des Händelgymnasiums, Frankfurter Allee 6a, Berlin-Friedrichshain

Das Stadtteilbuero Friedrichshain, ideenaufruf, TransitionTown und weitere laden ein zur Diskussion zu Voraussetzungen für Bürgerparks und Nachbarschaftsgärten: „Typologien der Freiraumnutzung durch bürgerliche Initiativen, Infrastruktur, Freiraumnutzung und Gestaltung“.

Wehmütig schauen wir zurück auf den Umzug unseres Lieblingsgartens RosaRose. Hier ein Video vom 18. Juli nach der Räumung.

Für die Leute, die es aufgrund der Polizeipräsenz in Friedrichshain nicht mehr aushalten: Nachbarschaftsgarten in Neukölln

Körting sagt: Was wir machen, was wir sollen, was wir müssen, was wir tun…

Wohin wir gehen, mit wem wir reden, wo wir wohn, wie wir sind, weshalb wir lachen, was wir sagen, wielang wir schlafen, wer uns aufregt, wobei wir weinen, warum wir trinken, wieviel wir rauchen, wie wir euch finden, was wir denken, wofür wir kämpfen, wen wir hassen, wie wir feiern, woher wir kommen, wieso wir wählen …

Alles, was wir tun und lassen, steht in der Studie „Linke Gewalt in Berlin“, die der Berliner Innensenat (Abt. Verfassungsschutz) zusammen mit dem Landeskriminalamt am 11. November vorgestellt hat. Auf 80 großzügig gestalteten Seiten mit immerhin 51 Abbildungen wird versucht einen neuen Typus von linkem gewaltorientierten Aktivismus auszumachen. „Entäuschend, bis beschähmend“ so das Urteil des Lesekreises, der gestern Abend im Infoladen zusammenkam. „Solange Ehrhart auch Bommi auf seiner Seite hat, wundert mich gar nix mehr“. Soll das jetzt das Gesprächsangebot von Peter Trapp sein oder der Versuch von Körting die PorschefahrerInnen zu besänftigen? Im Hintergrund: „… Also lasst uns in Ruhe, lasst uns gehn, und unseren weg alleine machen, wir bleiben lieber einsam als mit euch über eure schlechten Witze zu lachen.
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Mauerparkbebauung? – Wir haben was dagegen!

Der westliche Teil des Mauerparks soll mit 6-7stöckige Lofts bebaut werden. Die Folgen wären soziale Verdrängung durch Mietsteigerung in den umliegenden Gegenden, so wie eine zunehmende Präsenz von Sicherheitsdiensten und Polizei, um die Ruhe und Unversehrtheit der neuen Anwohner_innen sicherzustellen. Die kreative Vielfalt, wie sie den Mauerpark als “temporären Freiraum” derzeit prägt, wäre damit passé. Die Bebauung des Mauerparks ist eine Kampfansage an die finanziell schlechter aufgestellte Bevölkerung dieser Stadt. Wir wenden uns darum gegen die Bebauung als Teil einer Logik, die Profitinteressen über die Bedürfnisse der Menschen in dieser Stadt stellt.
Alle sollten die Möglichkeit haben, im Pool zu baden und nicht nur die, die es sich leisten können. Kurz um: Ein Leben ohne Kapitalismus wäre viel schöner. Die Verhinderung des Baus sehen wir als einen kleinen Schritt in diese Richtung. Darum unterstützen wir die Initiative „Mauerpark fertig stellen!“ im Kampf gegen die Bebauung. Am 25. November fällt die Entscheidung. Lasst uns also gemeinsam Dampf machen, am Tag selbst und im Vorfeld!

14. Nov. 2009: Demonstration, 15.00 Uhr, Mauerpark

16. Nov. 2009: Infoveranstaltung, 19.30 Uhr, Cafe Morgenrot, Kastanienallee 85
Anschließend: die Dokumentation „Unter deutschen Dächern“

25. Nov. 2009: Kundgebung, 16.30 Uhr, BVV-Mitte, Parochialstr. 3

Aufruf der Antifa, der VOSIFA und der Ini „Mauerpark fertigstellen“