Mecker-Runde: Nachbarschaftstreffen am 18. Oktober

Im „Nachbarschaftsbrief Nummer 2″ heißt es

„Um den Menschen hier im Viertel die Möglichkeit zu geben ihre Probleme mit den unkommerziellen Projekten zu artikulieren und ihre Wut über Ruhestörung, Dreck und Randale an die vermeintlichen Verursacher zu richten, gibt es am 18. Oktober um 15 Uhr im `Zimt und Zunder‘ (Ecke Liebig Str/Rigaer Str) einen runden Tisch. Vertreter innen der Projekte werden sich dort den Fragen der Nachbarn stellen.


Nachbarschaftsbrief
Friedrichshain, August 2009, Nummer 2

Die Kanäle der Kommunikation wurden geöffnet; die Worte sprudeln heraus und die Ideen fließen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor unsere Schläge prasseln. Dies ist der zweite Nachbarschaftsbrief aus dem Friedrichshain, es wird weitere geben. Mit diesen Briefen hoffen wir die Kommunikation über einige der Aktionen und Ereignisse zu verbessern, die in dieser Gegend und darüber hinaus passieren. Wir wollen damit aber nicht nur `unsere Seite‘ der Debatte darstellen. Wir sind definitiv an mehr Dialog und Diskussion interessiert, und die Reaktionen, die wir bisher erhalten haben, bedeuten uns viel. Alle Mails und Briefe wurden persönlich beantwortet. Darüber hinaus möchten wir mit diesem Brief eine etwas allgemeinere Antwort geben. Es ist uns wichtig, mit dieser Art Kommunikation fortzufahren und darauf aufzubauen, aber damit soll es noch lange nicht enden. Wir wollen Punkte finden, an denen wir gemeinsame Interessen haben – herausfinden, welche Dinge uns allen ein Dorn im Auge sind. Und-wir wollen uns Wege erarbeiten, uns von diesen Dornen zu befreien. Der Schwerpunkt dieses Briefes ist der Ärger mit den Nazis, der in jüngster Zeit, und schon seit langem, ein arger Dorn im Friedrichshainer Auge ist. Wir reden auch davon, für welche Erwiderung sich einige Leute entschieden haben.

Thema 1: Naziproblem Jeton
12.07.2009: Am frühen Sonntagmorgen verletzten vier Neonazis einen 22jähirgen Neuköllner am SBhf. Frankfurter Allee lebensgefährlich. Die vier Täter, die Kleidung der Marke „Thor Steinar“ trugen, waren kurz vorher schon aufgefallen als sie eine verbale und tätliche Auseinandersetzung mit zehn Jugendlichen, die alternativ gekleidet waren, suchten. Danach pöbelten die Neonazis willkürlich Passanten an, die sich im Gang zwischen S- und U-Bahnhof Frankfurter Allee befanden. Schlugen und traten um sich. Bis sie letztlich in dem 22-jährigen linken Jugendlichen, der auf dem Weg zur S-Bahn war, ihr Opfer fanden. Auf diesen prügelten die vier Männer so lange ein, bis er das Bewusstsein verlor. Einer der Neonazis zog den wehrlosen Neuköllner dann auf den Gehweg, legte ihn mit dem Gesicht nach unten ab und trat mit dem rechten Fuß auf dessen Hinterkopf. Die Berliner Polizei meldete, dass der 22-jährige mit einem Jochbeinbruch, schweren Prellungen und Hirnblutungen in ein Krankenhaus kam. Die Täter wurden festgenommen und einen Tag später in Untersuchungshaft genommen. Ein Zeuge, der bei der Polizei eine Aussage machte wurde von den Neonazis belastet, er habe sie vorher angegriffen. Seine Wohnung wurde von der Polizei durchsucht, er über 24 Stunden festgehalten. Auch das Opfer selbst steht im Fokus der Polizei. Er soll die Nazis provoziert haben. Gegen ihn wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Mörderische Tradition: Besonders der S-Bahnhof Frankfurter Allee hat traurige Berühmtheit als Schauplatz unzähliger rechter Übergriffe. Meist ist es das Publikum der Großraumdisko Jeton, die auf dem Nachhauseweg Streit mit dem alternativen Friedrichshain sucht. Letztes Jahr im März kam es hier zu einem versuchten Mord. Eine Rassistin stieß einen Migranten auf die S-Bahn Gleise. Der Mann wurde durch Passanten aus dem Gleisbett gerettet, die Frau wurde zu 3,5 Jahren Haft verurteilt. Die Ecke ist außerdem durch den Mord an dem Hausbesetzer Silvio Meier vorbelastet. Er wurde 1992 von Neonazis mit Messerstichen am U-Bhf. Samariterstraße umgebracht – an ihn erinnern Antifas jedes Jahr im November und mit einer Gedenktafel.

Verantwortung übernehmen Man kann nicht die Augen davor verschließen, dass auch hier, im als alternativ geltenden Friedrichshain, Neonazis immer wieder zuschlagen. Man kann sich auch nicht darauf verlassen, dass andere die Probleme lösen. So haben die Verbote von rechten Gruppierungen in den letzten Jahren nichts an den nächtlichen Ausflügen der selbsternannten„Rächer für Nation und Rasse geändert.
Die Forderung nach solchen Angriffen kann nicht lauten: „Mehr Kameras! Mehr Polizei!“. Es gab in Vergangenheit oft Ubergriffe von Gästen des Jeton, die auf dem Weg zum Bahnhof waren.
Die Clubs und Bars, die rechte Sprüche und Symbole dulden; die Passanten die geduckt an pöbelnden Gruppen vorbeilaufen und hoffen nicht selbst Opfer zu werden; die Autos die widerspruchslos schnell vorbeirauschen; die Gewerbetreibenden, die ängstlich hinter ihren Scheiben in die Nacht starren und die vielen Partygäste, die hier jede Nacht unterwegs sind. Sie müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Hinschauen, Eingreifen, Helfen! Wenige Tage nach dem Naziüberfall gab es eine Aktion von 200 Menschen gegen das „Jeton“. Dabei wurden Scheiben eingeworfen und sich auch gegen die zum Schutz der Nazis anrückende Polizei verteidigt. Die Polizei rächte sich dann nach der grossen Demonstration gegen rechten Terror, indem sie bis zum frühen Morgen in der Liebig/Rigaerstr. mit Mannschaftswagen die Besucher innen von Kneipen belästigte.

Auf die Nummer 1 vom Nachbarschaftsbrief erreichten uns etliche Zuschriften.

Die meisten Mails und Briefe sahen es erstmal positiv, dass überhaupt mal eine Verlautbarung von uns kommt. Ungefähr 80% äusserten Verständniss für wenigstens einen Teil unserer Ziele, wobei viele nicht mit den Methoden einverstanden sind, die sie „uns“ zuschreiben. Einige Zuschriften lehnen uns generell ab. Wo die Projekte und die Szene, die für vieles hier in der Umgebung verantwortlich gemacht werden, dafür kritisiert werden, dass sie schwer ansprechbar sind und manchmal abweisend wirken, stimmen wir teilweise zu. In der Tat war unser Verhalten nicht immer „bürgerfreundlich“. Wir arbeiten daran das Kommunikationsproblem zu lösen.
Jedoch lehnen wir die Verantwortung für einige Sachen ab, die mit uns gleichgesetzt werden. Wir haben nie behauptet, das das Anzünden kleiner Autos unserer Politik entspricht. Auch kommt nicht der ganze Lärm und die ganze Hundescheiße von uns. Wir finden auch nicht das laute Musik und Hundescheiße zu den Problemen von Friedrichshain gehören. Manche stören sich an unserer Leistungsverweigerung und sehen uns als Sozialschmarotzer. Auch Intoleranz gegenüber anderen Lebensweisen wird uns vorgeworfen. Um den Menschen hier im Viertel die Möglichkeit zu geben ihre Probleme mit den unkommerziellen Projekten zu artikulieren und ihre Wut über Ruhestörung, Dreck und Randale an die vermeintlichen Verursacher zu richten, gibt es am 18. Oktober um 15 Uhr im `Zimt und Zunder‘ (Ecke Liebig Str/Rigaer Str) einen runden Tisch. Vertreter innen der Projekte werden sich dort den Fragen der Nachbarn stellen. Ihr könnt uns also zur Rede stellen, eure Zustimmung ausdrücken und vielleicht finden wir gemeinsame Lösungen.

Unten findet ihr einen Text, der uns gut gefällt. Wir wissen nicht, wer ihn geschrieben hat, aber wir denken, dass er ist ein guter Anfang dafür ist, zu erklären, warum wir bestimmte Formen sinnvoll finden, die Kämpfe, mit denen wir konfrontiert sind auszufechten. Er ist Teil eines längeren Textes mit dem Titel `Arbeit Community Politik Krieg‘, der bei www.prole.info zu finden ist:

„Wenn wir beginnen, gegen die Bedingungen unseres Lebens zu kämpfen, entsteht eine völlig andere Form des Handelns. Wir suchen nicht nach Politikerinnen, die kommen und die Dinge für uns ändern. Wir machen es selbst, zusammen mit anderen Leuten aus der arbeitenden Klasse! Wann immer diese Art Widerstand der arbeitenden Klasse losbricht, versuchen Politikerlnnnen ihn in einer Flut von Petitionen zu ersticken, in Lobbyarbeit und Wahlkampf. Aber wenn wir für uns selbst kämpfen, sieht unser Handeln völlig anders aus als das ihre. Wir nehmen das Eigentum der Hausbesitzerinnen und nutzen es für uns. Wir nutzen militante Strategien gegen unsere Bosse und finden uns im Kampf mit der Polizei. Wir bilden Gruppen, in denen jeder und jede aktiv ist und es keine Trennung gibt zwischen Anführerlnnen und Anhängerinnen. Wir kämpfen nicht für unsere Führer, nicht für unsere Bosse und nicht für unser Land. Wir kämpfen für uns selbst. Dies ist nicht die vollendete Form der Demokratie. Wir erlegen der Gesellschaft unsere Bedürfnisse auf – ohne Diskussion – Bedürfnisse, die den Interessen und Wünschen der Reichen an jeder Stelle diametral entgegengesetzt sind. Es gibt für uns keinen Weg, auf gleichberechtigte Weise mit dieser Gesellschaft zu sprechen“

*Unter „Arbeiterklasse“ verstehen wir alle die mit wenig Geldauskommen muessen, sei es das sie arbeitslos sind oderschlecht bezahlt werden.

Angreifen! Organisieren! Widerstehen!

Um die Nazis aus unserem Kiez und ueberall zu vertreiben muessen wir selbst aktiv werden. Aktionsreport: „Tromso“.
Wenn auch vermutlich nur temporär: Der Thor Steinar Laden „Tromst “ in Berlin-Friedrichshain musste nach Sabotage schließen bzw. konnte heute gar nicht erst öffnen. Am heutigen 10. Juli 2009 konnte aufgrund eines Anschlags der Berliner Thor Steinar Laden „Tromsy “ in BerlinFriedrichshain nicht öffnen. Aus bisher ungeklärter Ursache ließen sich die Rollläden des Neonazi-Geschäfts nicht mehr öffnen. Selbst zu viert scheiterten die Angestellten des Ladens und Firmen-Chef Uwe Meusel
am heutigen Tag an ihrer eigenen Schutzvorrichtung …. Die heutige Aktion ist wiedereinmal ein guter Beweis dafür, das nur ein Zusammenwirken aller Aktionsformen effektiv den Verkaufsalltag des Neonazimodemarke
unterbinden kann.

Sie können Kontakt mit uns auf nehemen: nachbarschaftsbrief@riseup.net oder Post an uns in den Briefkasten vom Infoladen Daneben, Liebigstr. 34