Was hat diese Frau nur gegen Friedrichshain-Kreuzberg?

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Vera Lengsfeld jetzige CDU-Bundestagskanidatin und ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin verlor am 9. November 1989 ähnlich wie Erich Mielke ihr Ideal. Sie hatte keinen Fortschritt mehr zu erringen und seiner war verloren. Doch im Vergleich zu Erich weiß dies Vera Lengsfeld noch nicht.
Als anfängliche Friedensaktivistin und später evangelische Revolutionärin schaffte sie es SED-Parteiausschluss und ein Berufsverbot auf sich zu lasten sowie abschließend eine einmonatige Strafvollzugshaft mit anschließender Abschiebung im Februar 1988. Pünktlich wiederkehrend am Tag des Mauerfalls, dem Tag ihrer friedlichen Revolution, began sie sich der ihr vorher verwehrten Politikkarriere zu zuwenden. Mit Bündnis 90 und der Fusion mit den Grünen ließen sich ihre bürgerlichen Wertvorstellungen von Freiheit, Frieden und Umwelt gut vereinbaren.
Doch dann trat die Vergangenheit nach. Der eigene Ehemann Knud Wollenberg war IM und bespitzelte sie einst. Die Scheidung wurde eingereicht.
Und nochmal als Bündnis 90/Die Grünen beschloß mit der damaligen PDS zu koalieren. Hierauf wechselte Vera Lengsfeld zur CDU und hielt dort bis zur letzten Legislaturperiode ein Bundestagsmandat für Thüringen. Eine erneute Aufstellung kam nach Aussagen wie „Sie profiliere sich noch immer mit Themen wie Stasi und PDS.“ für sie nicht mehr in Frage. Doch zurück aus der Verdammnis tritt sie jetzt in Friedrichshain-Kreuzberg für Christlich-Demokratische an.
Die bedeutungsgeschwängerte Einsicht in die Übel der Utopien des 20. Jahrhunderts trieb sie in die ockernen Sumpflandschaften der Liberal-Konservativen. Höhepunkt dessen war ein Zeitungsinterview mit der Jungen Freiheit, dem Organ der Neuen Rechten, indem sie den damals wegen antisemitischen Äußerungen verbannten CDUler Hohmann verteidigte und eine inszenierte Hetzjagd vorfandt. Doch schon früher und auch noch gegenwärtig zählt sie zu den Autoren der Wochenschrift. Auch auf den Protestzügen gegen einen Moscheebau in Heinersdorf trat sie, scheinbar auch ihren Sohn zur Hilfe eilend, dem Bürgerbündnis IPAHB nahe, war ängstlich um das deutsche Schrebergartenidyll in Pankow und kämpfte gegen Fremdheit im eigenen Land.
Doch das reicht scheinbar noch nicht zum Profil für eine Wahlkampfskandidatur gegen Ströbele und somit versucht sie emsig die Lücke zwischen oder jenseits Sozialität und Kultur zu finden. Unter der Vorgabe jeglichen Extremismus abzulehnen engagiert Vera Lengsfeld sich maßgeblich gegen alles nur denkbar Linke. Der Wahlkampfblog offeriert Beiträge mit dem Versuch Nationalsozialismus mit Sozialismus am Wortlaut allein zur Gleichnis zu bringen. Sich einmal gegen rechte Gewalt zu stellen blieb ihr auf der letzten Demonstration dank Vorgeschichte verwehrt und anstelle dessen wurde sie bespuckt. Der gewünschte Skandal blieb bis auf einen Artikel in der zu Treue verpflichtenden Jungen Freiheit aus.
Schlussendlich bleibt die Frage, was diese Frau eigentlich will. Auf ihrer Internetpräsenz bannert der Schriftzug „Freiheit und Fairness statt Gerechtigkeit und Gleichheit“. Es erinnert ein wenig an die Irren aus einem Roman von Umberto Eco, kurzschlüssig in den Gedankengängen, aber das Ergebnis ist immer falsch. Mag sein, dass Vera Lengsfeld unsägliches Leid während DDR Zeiten erlitt, aber die Konsequenz sich jetzt der CDU und Neuen Rechten anzuschließen bleibt wirr. Der Wahlkampf wird für sie erfolglos enden. Aber zumindest bekam sie kürzlich die Ehre des Bundesverdienstkreuzes und der Cicero nannte sie eine der wichtigsten Ostdeutschen – neben Tokio Hotel und Peter Sodan.


8 Antworten auf “Was hat diese Frau nur gegen Friedrichshain-Kreuzberg?”


  1. 1 Vera Lengsfeld 09. August 2009 um 15:18 Uhr

    Dicht daneben ist auch vorbei
    Erst mal schönen Dank für das nette Foto. Gegen Friedrichshain-Kreuzberg habe ich nun wirklich nichts. Höchstens gegen Leute, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen, um ihre Kampagnen zu fahren. Ich war nie Autorin der JW. Ich habe nie etwas für diese Zeitung geschrieben. Im Gegensatz zu JW und ND. Da wird mir die Autorenschaft aber nie vorgeworfen. Passt wohl nicht ins Feindbild. Ich habe nie gegen “alles Fremde”(was für ein Ausdruck!) im Lande gekämpft, sondern im Zusammenhang mit dem Moscheebau in Pankow auf den Antisemitismus und die Frauenfeindlichkeit der Amadiyya hingewiesen. Das ist ein Unterschied, wie Tag und Nacht. Ich bin auch nicht gegen “alles Linke”, sondern nur gegen linke Lügen und Intoleranz. Dass Antifa-Aktivisten , nicht mich, sondern das Opfer eines Neonaziüberfalls bespuckt hat, weil der Mann neben mir stand bei einer Demo “gegen rechts”, bleibt eine Schande für die Antifa und den Veranstalter der Demo, unabhängig davon, ob die Medien daraus einen “Skandal”gemacht haben , oder nicht. Wer Andersdenkende bespuckt und verprügelt ist selbst nicht besser, als die, die er zu bekämpfen vorgibt. Die Geschichte hat es oft genug gezeigt: die Gesinnung wechselte, aber die Methoden blieben gleich. Deshalb kann nur konsequente Ächtung aller Gewalt die richtige Lehre aus der Geschichte sein.

  2. 2 Brodaganda 09. August 2009 um 16:02 Uhr

    „… die Konsequenz sich jetzt der CDU und Neuen Rechten anzuschließen bleibt wirr.“

    Danke für diesen Artikel, er triffts. Ich habe mich auch schon über Frau Lengsfeld und ihre Nähe zu den neuen Rechten (damals Blogger „kewil“) gewundert. Es ist schon bedenklich sich derart über seine Vergangenheit zu definieren, dass es den Blick auf die Gegenwart verstellt.

  3. 3 Christian 09. August 2009 um 16:06 Uhr

    Vera Lengsfeld schreibt übrigens auch für das Neue Deutschland, weil sie Meinungsfreiheit ernsthaft vertritt und jeden ansprechen möchte. Das kann man von den „toleranten“ Kreuzberger Linken nicht sagen. Die greifen Frau Lengsfeld auch einmal tätlich an.

  4. 4 Infoladen-Crew 13. August 2009 um 7:46 Uhr

    Danke fürs pep talking von bropaganda und schwachsinn.

    Es fällt schwer auf das was Vera und Christian schrieben zu antworten.
    Bezüglich des Attackierten Herrn bleibt erstmal nur eine Bitte um Entschuldigung. Der Speichel galt nicht ihm.
    Sonst gebt euch bitte Mühe, wenn ihr schreibt hm. Solange ihr es nicht mal schafft einen Text drei scrolls weiter oben richtig zu zitieren(alles Fremde!!), … . Das ist Gewalt gegen die sich niemand zu wehren weiß.

    in Ächtung begriffen – Infoladen Daneben

  5. 5 Florian 14. August 2009 um 11:43 Uhr

    Was soll dieser blöde Artikel? Vera Lengsfeld ist eine hochengagierte Politikerin, damals wie heute, die mit ihrem früheren und aktuellen Engagement gegen den Mainstream mehr Mut bewiesen hat als die Verfasser dieses verleumderischen Artikels.

  1. 1 Vera vs. Daneben « der ganz alltägliche schwachsinn Pingback am 12. August 2009 um 22:31 Uhr
  2. 2 Die extreme Mitte « what?! Pingback am 04. Februar 2010 um 12:20 Uhr
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