„Wir müssen reden“ – Was die neue Radikal und Vera Lengsfeld gemein haben

Schreiben sollen wir öfters. Twittern auch. Videos produzieren, lieber nicht mehr. Ok, ok… Entweder Skandalnudel Vera Lengsfeld („Freihet und Fairness statt Gleichheit und Gerechtigkeit“ Hä???) oder was zur neuen Radikal Nummer 161, die Anfang Juli erschienen ist und in Berlin offenbar nur noch in kopierter Form zu haben ist? Hmm.. Dann doch lieber auf den GenossInnen rumhacken – ist immmer schnell erledigt sowas.

Ein Kunde steht eine Minute da und blättert durch die 60 Seiten: „Stencilanleitung und Lenis revolutionärer Aufbauprozess? Wenn die sich selbst nicht mehr ernst nehmen, wer soll das sonst tun?“. Kurze Zeit später ein Gespräch: „Hast du die neue Radi gelesen?“ – „Mmmh. Irre.“ – „Allerdings: irre.“ Das wars. Im Grunde würde sich niemand die Texte durchlesen (so wie schon die jahrelangen „debatten“ der militanten gruppe in der Interim immer schamlos überblättert wurden) wenn nicht das Radikal-Logo drauf wäre. Dieser Tage erscheinen ja große Mengen von Texten, die einen mit großer Geste dazu auffordern, über sie zu reden – eine Debatte zu führen –, und man tuts nicht. Ist einfach zu langweilig. Zu doof. Aber wenns die Radi ist reicht es immerhin zu einem „irre“. Seit mittlerweile einem Monat ist gerade mal eine Rezension erschienen. Annalist nutzt nur die Chance um auf den aktuell laufenden Prozess gegen vermeitliche Mitglieder der mg hinzuweisen. Die Bild hat die Auflösung der mg gebracht (wichtigsten Passagen bei trend), die Junge Welt auch – mehr gabs nicht. Und wird auch nicht kommen. Folgenlose Debatten, die nur zum Schein geführt werden und jede Spannung schon beim ersten Tintenklecks verlieren. So ähnlich wie bei Veras Gepöbel gegen alle Ossis, Antifas, Grüne, Berliner-Senat, Ökos usw. (mehr dazu in Veras Onlinetagebuch) Was soll uns denn zu so einer Aneinanderreihung von Glaubensbekenntnissen einfallen? Worüber wollt ihr denn jetzt noch reden? Eben. Einfach „irre“ und sonst nix. Jetzt heißt es ducken vor den „Debatten“, die immer wieder appelieren sich „diszipliniert“ zu beteiligen. Das sehen die LeserInnen mit Publikationsbedürfnis auf Indymedia ähnlich:

Die Ausgaben der vergangenen Jahre wurden mehr und mehr Prosa. Es gibt eben keine RZ und auch keine starke militante, autonome Bewegung mehr, zwischen denen sich das Zeitungsprojekt verorten kann. Zwangsläufig hat das Auswirkungen auf Konzeption und Inhalt der Zeitung, was sich schon in der Schwarzen Reihe (radi Nr. 157 bis Nr. 160) zeigte. (…) Es wäre der radi zu wünschen, dass es ihr bis zur nächsten Ausgabe gelingt, innerhalb ihrer strömungsübergreifenden Redaktion einen Streit unter ihren sicherlich vorhandenen Fraktionen zu organisieren und ihn soweit es geht transparent zu machen, damit eine Debatte aufkommt, an der sich hinterher anknüpfen lässt.

Dass dann die mg schreibt, dass sie sowieso nicht mehr will als Prosa, nagt nicht gerade an den Zweifeln dass hier ne neue Nullnummer vor uns liegt:

Wir haben die leise Hoffnung, dass wir erstens (wieder) voneinander Kenntnis nehmen und zweitens einen inhaltlichen Austausch fortsetzen werden, auch wenn Reaktionen, wie die unsrige, manchmal Monate oder gar Jahre brauchen.

Naja, Kontaktmöglichkeit fehlt sowieso, wodurch die Prosa zumindest auf das Redaktionskollektiv beschränkt bleibt.

Auf indymedia wird eingeräumt, dass die Existenz der neuen Radikal schon ein Erfolg ist, weil damit dem Statt gezeigt wird, dass klandestiner Druck und Verteilung machbar sind. „Denn wer nicht mehr präsent ist, wenn der Staat angreift, wird nicht mehr ernst genommen, weil er sich selbst nicht ernst nimmt.“ Ist ja wirklich zu honorieren und gut sich selbst ernst zu nehmen, aber reicht irgendwie nicht.

Danke an Mark Terkessidis für seine treffende Einschätzung darüber was uns abhält an Debatten teilzunehmen. Das mit dem Ernstnehmen von Debatten, Anrufungen und Appellen fällt uns immer schwerer. Jetzt wissen wir auch, dass wir damit nicht allein sind.

Das ganze erinnert an den Eintrag von letzter Woche. Dazu ein lustiger Nachtrag, zu dem menschnix mehr sagen kann, muss, will:

„Es ist eine Diktatur des Neides und der Versager. Die Szene sucht sich ein sozialromantisches Thema, hinter dem sie sich dann versteckt. In Berlin kämpfen die Chaoten angeblich gerade gegen die Modernisierung bestimmter Stadtteile und die daraufhin steigenden Mieten. In Wahrheit aber wollen sie den Staat und seine Organisationen attackieren, wo sie nur können.“

sagt Polizeigerwergschaftsführer Wendt im Inteview mit SpiegelOnline


1 Antwort auf “„Wir müssen reden“ – Was die neue Radikal und Vera Lengsfeld gemein haben”


  1. 1 Heute gelesen (9.8.) « Theorie als Praxis Pingback am 09. August 2009 um 21:46 Uhr
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