No Comment

Eigentlich meiden wir es, irgendwelche Kommentare zu den Polizeieinsätzen vor unserer Tür abzugeben. Aber in letzter Zeit, das werden die anderen AnwohnerInnen der Rigaer und Liebisgstraße bestätigen können, nervt es doch richtig dolle. Jeden Abend sitzen Leute vor dem XB-Liebig, genießen die Frühlingsluft, machen ein kleines Feuer in der Tonne oder anderen sicheren Behältnissen, essen, trinken und bemühnen sich nicht zu laut zu werden. Alles chillig, niemand will Ärger.
Jeden Abend kommt dann die Polizei des Abschnitts und das LKA um zu provozieren, um die Ecke zum gefährlichsten Platz Berlins zu stilisieren. Das brennende Einkaufswagen im Kapitalismus problematisch sein können, wird wohl nicht der Grund für die Polizeipräsenz sein. Mal schicken sie die Feuerwehr vor, den ach so gefährlichen Brand zu löschen, mal machen sie es mit ihrem eigenen Löscher, nehmen die Tonne mit, stehen in der Gegend rum, nehmen Leute fest und kontrollieren wen sie können. Das allein ist schon ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist und den sozialen Frieden im Norden Friedrichshains empfindlich stört.
Heute hat die Polizei sogar noch eins drauf gesetzt: Zwei übereifrige Kollegen des Polizeiabschnitts haben gegen 14 Uhr mal den Hof von der Liebig34 gecheckt, Fotos gemacht und wurden von den Bewohnerinnen rausgeschickt. Vor dem Haus, wollten sie dann noch eine Frau überfahren, die die Dienstnummern verlangt hatte. Zack, den allseits bereiten Pfefferlöscher gezückt und eine weitere Frau vor dem Haus abgesprüht, mit dem Allzweck-Knüppel traktiert und wieder versucht in das Hausprojekt einzudringen. Danach lösten die zwei einen Großalarm aus, und meinten sie seien angegriffen worden. Plötzlich überall Wannen, Hundertschaften patroulieren und stehen in den Seitenstraßen. Bei soviel Aufruhr fühlte sich selbst die RBB-Abendschau genötigt vorbeizuschauen. Aber der angeblich krasse „Übergriff auf Polizeibeamte“ war ihnen zu Recht keine Meldung wert.
Von allem Mitleid, den wir für die Ordnungshüter vom Abschnitt 57 sonst haben, ist nach dieser Aktion nichts mehr übrig. Die andauernde Belagerung der Hausprojekte, die Gefährdung von Menschenleben und die dreisten Versuche militante Reaktionen zu provozieren, müssen politisch bewertet und kritisiert werden. Jetzt geht es nicht mehr um die eine Feuertonne, um den alternativen Flair, um unseren Dorf- bzw. Spielplatz, sondern um die Legitimität einer Polizei, die durch den Druck vom Senat und der reißerischer Presse zu unüberlegten und gefährlichen Handlungen genötigt wird. Der andauernde Ausnahmezustand, der postuliert wird, fordert eine Polizei, die sämtliche zivilisatorischen Mindeststandards und Bürgerrechte eben auch andauernd außer Kraft setzt. Bis zum 1. Mai wird es weitere solcher Aussetzer geben und wir müssen alle darum bangen, dass nicht allzuviele von den Nicht-Polizisten abgeknallt werden.


1 Antwort auf “No Comment”


  1. 1 Phil 18. April 2009 um 10:37 Uhr

    mal eben so um 14 uhr den hof checken? und das ohne durchsuchungsbefehl.. brauch man doch für privates gelände/einrichtungen oder?
    da sieht man wieder wieviel langeweile die bullen haben :/

Die Kommentarfunktion wurde für diesen Beitrag deaktiviert.