Archiv für Dezember 2008

Der Verwaltungsvorgang ist abgeschlossen

Dreieinhalb Jahre nachdem das Hausprojekt Yorck59, in Kreuzberg am 6.6.2005 mit polizeilichem Großeinsatz geräumt wurde, befand das Berliner Kammergericht am 15.12.2008 die Strafbefehle gegen aus dem Haus geräumte Aktivist_innen für ungültig. Zudem stellte das Gericht fest, dass die Räumung als Ganzes rechtswidrig war, da zu diesem Zeitpunkt keine Räumungstitel gegen die BewohnerInnen des Hauses vorlagen. Die Entscheidung bringt das Hausprojekt jedoch nicht zurück. Mittlerweile ist hier Til Schweiger in eine Eigentumswohnung eingezogen. Die ehmaligen BewohnerInnen haben sich im Bethanien breit gemacht.

Nach der Entscheidung für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses bzw. für den Bau des Humboldtforums droht nun die tatsächliche Realisierung des Vorhabens. Doch die geplante, einer nationalen “Identitätsstiftung” dienende Schlosskopie ruft seit vielen Jahren heftigen Widerspruch hervor. Eine Kampagne ermöglicht uns auch nein zu sagen. Vielleicht wird auch hier nachträglich die Rechtswidrigkeit erkannt, doch bishin dürften Tatsachen geschaffen worden sein.

Um schon vorher was gegen Neubau und Mieterhöhung zu tun gibts nun ein Abwertungskitt (Deattraktivitäts-These).

Mit wenigen Handgriffen lässt sich das Erscheinungsbild ihrer Wohnung nach außen verschlechtern. Schon bald setzt der „broken windows effect“ ein: Wohlhabende ziehen weg, Wohnungen sind nur noch schwer zu vermieten, die Preise purzeln in den Keller.

Neue Bauvorhaben: Lofts, A100, Rigaer71

Demo am 29.11.08

Pünktlich zur Demo „Hopp Hopp Mietenstopp“ [Unbedingt theoretische Untermauerung der Spreepiratin beachten] forderten Berliner Abgeordnete vom Bund neue Regelungen des Miet – und Baurechts. Berlin soll eine Bundesratsinitiative gegen überteuerte Mietpreise starten, sagt der Bezirksbürgermeister von Friedrichshain-Kreuzberg, Franz Schulz. Im Friedrichshain-Magazin ist eine aktuelle Übersicht zu geplanten Loft-Projekten, die die Mieten steigen lassen werden.

Immer mehr alteingesessene Handwerksbetriebe werden durch steigende Mieten verdrängt oder müssen dem Umbau zu exklusiven Wohnlofts weichen. Objekt der Begierde sind vor allem die Gewerbehöfe rund um die Warschauer Straße. Die riesigen Fabriketagen mit dem Charme alter Industriearchitektur finden auf dem Immobilienmarkt reißenden Absatz. Muss man mittlerweile das Gewerbe vor der Umwandlung in Wohnraum schützen?

ABRISS-Berlin fragt deshalb sinngemäß, wer eigentlich diese Lofts braucht? Daniel hat sich außerdem eine Galerie der Moderne ausgedacht, wo er Fotos von alten Häusern reinpackt. Er nennt das natürlich anders: „In vielfältigen Bildnissen unserer Zeit will ich die gefährdete Moderne und den Verfall von gesellschaftlicher Substanz nachzeichnen.“ Außer der Dokumentation bleibt uns wohl nicht anderes übrig (Beispiel O2-Arena).

Alle Welt redet vom Kartoffelacker Tempelhof und an den Ausbau der A100 (Trassenverlauf) denkt niemand. Der Senat verfolgt mit der Autobahnverlängerung A 100 die Planung der 50er Jahre, als die autogerechte Stadt noch das unumstrittene Leitbild war. Ab 2010 soll der nächste Abschnitt der Autobahn vom Dreieck Berlin-Neukölln zum Treptower Park gebaut werden. Der nächste Abschnitt betrifft dann Friedrichshain direkt. Nach heutigem Planungsstand kostet der 3,2 Kilometer lange Abschnitt 150 Millionen Euro pro Kilometer. Für die A 100 sollen außerdem intakte Wohnhäuser und Gewerbebetriebe abgerissen und ganze Stadtteile zerstört werden. Vielleicht wird es wenigstens auch über Wowereit und Wolf später mal heißen: „Aber die haben doch die Autobahn gebaut.“ Eine Bürgerinitiative versucht zu blockieren.

Der alternative Club „Antje Øklesund“ auf dem Gewerbehof Rigaer Straße 71-73a bekommt Probleme: Ein potenzieller Investor will hier fast alle Gebäude abreißen und Wohnungsneubauten sowie einen Verbrauchermarkt mit Tiefgarage errichten. Bisher hat er sich erst bei der Erbengebemeinschaft Kaufoptionsrechte gesichert. Die ASUM ist eingeschaltet um zwischen NutzerInnen und Investor zu schlichten.

Die TOP-Meldung des Monats: Die Sama32 will sich reorganisieren! Viel Glück..