Archiv für Oktober 2008

Was passiert hinter den Zäunen?

Daniel von Abriss-Berlin denkt über all die Flächen und Ruinen in Berlin nach, die von Bauzäunen versteckt werden. Romantik ist beim Anblick dieser zu füllenden Räume fehl am Platz. Statt dessen müssen diese Gebiete und Orte der Zerrüttung in den Kontext der sich wandelnden Arbeitsgesellschaft – mit deren überflüssiggemachten Menschen – gestellt werden, da die entkoppelten Gebiete unmittelbares Resultat des Erwerbsarbeitswandels und Folgeerscheinungen des abhanden gekommenen Wachstums sind. Sie sind triste, brutale und unsichere Gegebenheiten in einer Gesellschaft, die permanent von Lichtern und Leuchtwerbetafeln geblendet wird. Ein paar von den Flächen werden in der Reichenberger Straße mit sog. Car-Lofts gefüllt. Was es mit diesen Lofts auf sich hat und was die Eröffnung für Kreuzberg 36 bedeutet, wird auf Indymedia anschaulich zusammengefasst.

Was passiert, wenn eine schöne Brache erstmal bebaut ist, stellt Felix von Wirres beim Besuch der O2-Arena fest:

Die o2-arena ist jetzt ungefähr 5 wochen alt und schon ganz enorm runtergerockt. aus den armlehnen kam bereits der schaumstoff gequollen, die toiletten sehen aus und riechen wie bei die mir zuhause und die halle hat den charme eines fünf jahre alten ikea-warenlagers (auch farblich). bei der gastronomie im „premium“-bereich erwartet man dann auch eher borcherts-köttbülar (…)

Neues aus der Stadtkultur

Das 1988 legalisierte Hausprojekt Reichenbergerstr. 114 soll verkauft werden. Nach Jahren der Selbstinstandsetzung durch die BewohnerInnen, ist das Haus reif um vom Kapital gepflügt zu werden. Vor der Versteigerung wurde nochmal kräftig gefeiert.. Macht ja Sinn, die potentiellen KäuferInnen mal vor Erwerb von solch risikobehafteten Investitionen eindringlich zu warnen. Offensichtlich mit Erfolg: Die Versteigerung wurde von Amts wegen auf unbestimmte Zeit verschoben.

Die Ostprinzessin ist eine der Ausschusszombis, die Mediaspree mutig aber zahnlos korrigieren wollen. Ihre Eindrücke vom Treffen mit dem Landesausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr:

Das mag hart klingen, aber nichts ist härter als die Härte der Ignoranz: Sämtliche vorgebrachten Ideen, Anmerkungen, Einwürfe und Korrekturen – egal ob sie charmant und freundlich oder weniger freundlich (seitens meiner Person) – vorgebracht wurden, fanden lediglich eine einstellige Resonanz – und zwar: 0

. Bleib tapfer..

Was passiert eigentlich mit Tempelhof? Indymedia gibt Auskunft: Wegen der technischen Anlagen bleibt aus Sicherheitsgründen auch nach der Schließung am 31. Oktober alles dicht. Ab Frühjahr 2009 kann in einer ersten Phase der Zugang für kleine Gruppen und einzelne Events gewährt werden, partiell und nur eine gewisse Zeit. In der Phase 2 (Beginn unbestimmt) sind dann Zwischennutzungen in dem am Columbiadann angrenzenden Bereich möglich.

18 Jahre Rigaer94 und Liebig34

Wurde auch Zeit, dass das Hausprojekt Rigaerstr. 94 erwachsen wird. Während das Frauen-Lesben-Trans-Hausprojekt Liebig34 frühreif pubertierte, hatten wir die Hoffnung bei der störrischen Sponti-Fraktion, dem Durchlauferhizter Rigaer94 schon lange aufgegeben. Gefeiert wird clevererweise parallel zur Demo gegen Vorratsdatenspeicherung am Samstag, den 10. Oktober ab 15 Uhr mit Kleinkunst, Kinderecke und Politik auf den Höfen der Rigaer94 und Liebig34. Ab 20 Uhr im Fahrradschuppen Karaoke und irgendwann Abends „Alltimes-Favourite“ im XB. Soviel zum Programm. Jahrestage lohnen sich für gute Vorsätze – damit seid ihr als NutzerInnen der Kadterschmiede, des XB und des Infoladens natürlich gefordert. Die BewohnerInnen machen schon genug. In diesem Sinne, der 18 jährige und nun wieder aktuelle Kampf um Freiräume in der Rigaerstr. lohnt sich nur wenn die Freiräume auch genutzt werden. Streetart reicht einfach nicht aus.