O2-World: „Platz für Siege“

„Machen wir aus der feierlichen Eröffnung ein Ereignis, das den exklusiv geladenen Gästen noch lange in schlechter Erinnerung bleiben wird“, war die Hoffnung vor der gestrigen Eröffnung der Anschutz-/O2-Halle am Spreeufer in Friedrichshain-Kreuzberg. Das ist uns, allen gemeinsam, im wesentlichen gelungen. Für Anschutz, O2, MediaSpree und die verantwortlichen Politiker_innen war der gestrige Abend ein ganz schönes Desaster! Ein Indymedia-Artikel fasst die Berichte vieler Augenzeug_innen und Beteiligten zusammen.

Und was sagen die anderen Berliner zu der Halle? Unser Lieblings ex-Fritz-Moderator, ex-Linker, ex-Weltverbesserer Johnny Haeusler: Nein, wir waren nicht dabei, bei der gestrigen Eröffnung der „O2 World“ in Berlin, weder auf der einen noch der anderen Seite, doch als wir das abschließende Feuerwerk am Himmel sehen konnten, dachten wir für einen Moment: Ach, guck an, das erste Schwarze Loch und ausgerechnet das neue Enormodrome hat’s zuerst erwischt!
Die TAZ sieht es prakmatisch: Dass die Halle nun steht – kein Argument. Wer Paläste abreißen kann, kriegt auch Sporthallen klein.
Im Abgeordnetenhaus wurde gefordert, die ganze Alternativkultur nach Brandenburg zwangsumzusiedeln, damit die Struppis hier nicht rumstressen.
Die Berliner Zeitung rückt den Hang der Berliner zu Volksmassen der Superlative ins rechte Licht: Zum Feuerwerk liefen Slogans wie „Platz für Helden“ und „Raum für Siege“ über die LED-Glasfassade. Die Hallen-Gegner waren in diesem Moment nicht die Einzigen, bei denen diese Bilder vage Erinnerungen an eine andere berühmte Berliner Mehrzweckhalle weckten. Den abgerissenen Sportpalast. P. Anschutz ist laut Cicero christlicher Fundamenalist, der massig Kohle bei rechten Gruppierung in den USA ablässt. Schlimmer noch als der Sieg des Neoliberalismus wäre die Rückkehr zur Vormoderne..

Siege wie wir sie mögen auf dem diesjjährigen Häuserrennen in Friedrichshain: Das fitteste Haus von Friedrichshain wurde die Scharnie 38, das eleganteste die Kreutziger 19 und das renditeversprechendste Haus wurde die Villa Felix, derem ganz speziellen Gefährt sogar die anwesenden Polizisten Respekt zollte.
Das Hausprojekt Linie206 braucht auch Siege und plant für Ende September eine Demo. Die 18 Bewhoner_Innen, so wie die Bands und Projektgruppen des Hauses stehen vor der Wahl 40 000 Euro an die aktuellen Eigentümer zu zahlen oder das Konzept eines emanzipativen Freiraums aufzugeben. In Mitte geht es zur Zeit einigen Projekten an den Kragen. Sei es der Schokoladen, die Brunnenstrasse 183, oder der Kastanie, die sich immer noch mit ihrem neuen Besitzer rumschlägt. Aus diesem Grund findet am 26. September um 17 Uhr am Rosentahler Platz eine Demo für den Erhalt linker Freiräume statt.