Die soziale Stadt verkauft.. Vermeintliche Chancen der Stadtentwicklung

Unsere Liebilings-Städtebau-BeobachterInnen von ABRISS-Berlin sind frustriert:

Mediaspreesonderverarschungsausschuss? Zwangsumzüge bei Hartz4lern! Gasometer-Großprojekt! Abriss von wichtigen Bauten der Moderne! Öffentlicher Besitz verramscht! Baumafia hofiert! Wie lang haben Sie Zeit, hier weiterzulesen!? Wieviele Beleg-Links möchtet ihr anklicken?

Grund für diesen Pesimismus ist nicht nur die herrschaftliche Begutachtung der Ländereien durch Senatorin Ingeborg Junge-Reyer und Wowereit letzte Woche, sondern das geballte Wissen was ABRISS-Berlin angehäuft hat und dass die Abteilung Stadtentwicklung freundlicherweise zur Verfügung stellt. . Doch wie es richtig läuft weiß niemand so recht. Jetzt wird beispielsweise darüber gestritten, wer für die Initiative Media-Spree-Versenken ab September im zahnlosen Sonderausschuss des Bezirksamts sitzen soll.

Der Initiativkreis Media-Spree-Versenken bleibt über den Bürgerentscheid hinaus aktiv. Aktuell wird ein Happening am Mittwoch, 20. August 2008, 14 Uhr Osthafen, Einfahrt gegenüber Bossestraße Freifläche Richtung Elsenbrücke
vorbereitet. Zur Verdeutlichung der unterschiedlichen Gebäudepositionen soll ein „Baugespann“ errichtet und der interessierten Öffentlichkeit präsentiert werden. Dafür wird der geplante Gebäudekörper mit Stangen und Bändern mobil visualisiert.

Was ABRISS zurecht kritisiert wird von anderen als Chance verkauft. Die Kunst-Szene sei das Kreative-Potential, dass Berlin vorm Kapitalismus retten kann: Neid macht sich breit, die New Yorker verlassen fluchtartig den Big Apple, um hier am Entstehungsprozess einer neuen Ära dabei zu sein. Franzosen, Mexikaner, Spanier und alle anderen: Einst waren es Erasmus-Studenten, jetzt sind es Künstler die sich (so oder so) breit machen, ein laues leben führen, den ganzen Tag kreativ sind und aus dem Nichts heraus zu Weltstars werden… Anders als angenommen steigt der Bedarf nach Luxuswohnungen dadurch nicht WatchBerlin fragt die creative-class:

Bei all dem Projekte-haben und Wlan-im-Oberholz-nutzen fragt man sich dennoch irgendwann, Ok, wo kann ich denn dein Projekt sehen, hören, bestaunen?? Und echte Berliner fragen sich: Wie bezahlen die Kreativen ihre 80qm Oldschool-Wohnungen, in denen sie ALLEINE leben? Oder WER bezahlt sie? Papi? Muttis neuer Freund? Vater Staat?

Dazu wurden zugezogene Kreative befragt und anschaulich ins Web gestellt. Die Blogger von Spreeblick liefern den Zugezogenen ein Integrations-How-To-Do:

Friedrichshainer beschimpft man am besten, in dem man den Leuten aus dem Südkiez erzählt, wie toll der Nordkiez wäre, und andersrum. Hier wohnen Menschen, die sich allmorgendlich den Kopf mit Lebertran waschen und es hip finden, wenn eine Bedienung schlecht gelaunt ist und ungewaschen.

Ein paar von den Kreativen hat sich bereits dankbar gezeigt und den Ureinwohnern in der Liebigstr. 14 und Rigaer94 beim Kampf gegen die Hausverwaltung Rohr geholfen. Die Rigaer94 nutzt die Chance und veröffentlicht neue Informationen zur aktuellen Situation des Wohn- und Kulturprojektes.