Archiv für Juni 2008

Voller Plan: Linke Buchtage und Wild-Gärtner-Tage

Was auch immer sich die OrganisatorInnen der Linken Buchtage dabei gedacht haben, fällt der Termin dieses Jahr mit der großen Defence-Demo „Für globale Migration“ zusammen. Nun heißt es Prioritäten setzen und das fällt uns natürlich schwer. Deshalb findet hier das Programm zur Entscheidungsfindung.

Da wir ja häufig was über die Wild-Gärtner-Zunft schreiben, sei noch angemerkt, dass dieses Wochenende auch noch Langer Tag der Stadtnatur ist. Auf den Laskerwiesen geht da einiges. Auch der vom neuen Grundbesitzer zerstörte RosaRose-Garten in der Kinzigstraße öffnet den Bauzaun zur kritischen Begehung und einem kleinen Fest.

Auch die „Fiesta Kreutziga“ unter dem Motto: Freiraeume freiraeumen! findet in der Kreutziger Straße in Friedrichshain findet statt. Immerhin das 18. Jahr Kreutziger Strassenfest. Eigentlich ein Muss für alle Nostalgiker von uns.

Die Fußball-Europameisterschaft ist auch noch, was uns keine Meldung wert ist. Dafür aber der kreative Umgang mit nationalistischen Äußerungen. Das Bild unten, hat in der aktuellen rechtsextremen Zeitschrift „Jungen Freiheit“ für Aufregung gesorgt:

Linksextremisten präsentieren in Berlin-Friedrichshain stolz ihre „Trophäen“. Erst in der vergangenen Woche hatten Linksextremisten im Internet zu einem „Wettbewerb“ aufgerufen, der zum Ziel hat, möglichst viele Deutschlandfahnen zu stehlen. Neben den zahlreichen Flaggendiebstählen hat die Polizei in den vergangenen Tagen mehrfach Fälle gemeldet, in denen Autofahnen nicht gestohlen, sondern angezündet worden sind.

“ alt=“Bild aus der rechtsextremen Wochenzeitung Junge Freiheit“ />

Fast vergessen.. Der G8-Gipfel in Hokaido (Japan) findet auch dieser Tage statt und wird weltweit bespaßt. Und der internationale Actionday ist natürlich der 5. Juli. Die Leute von Gipfelsoli aus Berlin haben sich aber an die lokalen Bedingungen hier angepasst und rufen für den 4. Juli ab 16 Uhr zu einer Kundgebung vor die japanischen und italienischen Botschaft (Hiroshimastr./ Tiergartenstr.)

Freiraum Gardening und Aktionsfahrplan MS-Versenken

Freiräume, das alte Dilemma, sie werden nicht erbettelt, sie werden erkämpft. Aber wo fast nichts mehr zu erkämpfen übrig ist, müssen neue Wege her. Bis die Stadtplanung, Umweltleitplanung, Landschaftsplanung, Umweltämter und Behörden soweit sind könnt Ihr bis zum Sankt Nimmerleinstag warten, denn die wollen und werden eh nie soweit kommen, weil es ihnen nicht dienlich ist. In diesem Sinne angelehnt an einen Teil des Konzepts „Stadtguerilla“ versteht sich auch das Konzept der „Pflanzguerilla“, dass offenbar auch die Freiraum-Fraktion inspiriert hat. Gestern wurde der Platz hinter dem Rauchhaus, am Bethaniendamm, direkt am ehemaligen Mauerstreifen besetzt und die Samen keimen bereits.

Wie abgesprochen segelten an diesem Samstag auch die Wahlunterlagen für den Bürgerentscheid gegen das Großbauprojekt Media-Spree in die Briefkästen der Friedrichshain-Kreuzberger. Der Initiativkreis Media-Spree-Versenken informiert deshalb über aktuelle Entwicklungen und den Top-Aktuellen Aktionsfahrplan> bis zum Abstimmungstag am 13. Juli?

Der Polizeipräsident ist der gleichen Meinung und gibt die Themen bis zum 13. Juli vor.Die TAZ fragt ihn:

Waren die Freiraumtage eine Renaissance der linken Szene?
Glietsch: Ich habe nie geglaubt, dass der gewaltbereite Teil der linksextremen Szene in Berlin tot ist. Mit einem Aufflackern bei bestimmten Gelegenheiten ist auch in Zukunft zu rechnen. Auch Mediaspree könnte so ein Anlass sein.

Auch die Kommerz-Hippies aus der Bar25, die Media-Spree weichen müssen, unterstützen die Media-Spree-Versenken Kampagne – nicht nur aus eigenen ökonomischen Interessen. Im TAZ-Interview beschreiben sie woher sie kommen und was für eine Gesellschaft sie sich vorstellen:

Wir sind ein Spielplatz für Erwachsene mit immer neuen Attraktionen: Wir haben den „Zirkus“ für Theater, Filme und Performances, einen Kostümverleih, einen kleinen Wellness-Bereich und ein Musiklabel. Seit diesem Jahr gibt es eine Radiostation.

Die Wir Bleiben Alle! – Kampagne hat es endlich geschafft die großartige Broschüre zur Stadtumstrukturierung (aus MieterInnen-Perspektive digital zu veröffentlichen.

13. Juli: BürgerInnen-Entscheid gegen Media-Spree

Die Verhandlungen mit dem Bezirk das Großprojekt Media-Spree zu kippen, sind erfolglos gewesen. Deshalb wird es nun einen Bürgerentscheid am 13. Juli geben, bei dem alle Friedrichshain-Kreuzberger für den Vorschlag der Initiative Media-Spree-Versenken oder für den Vorschlag des Bezirksamts abstimmen können (ca. 27.000 müssen abstimmen und davon mehr als 50% für den Bürger_innenentscheid). Die Wahlberechtigten bekommen die notwenedigen Unterlagen zugeschickt. Bis dahin wird der Wahlkampf den Bezirk in Atem halten. Eingeläutet wird die heiße Phase heute auf Indymedia mit einem langen Beitrag zu den Hintergründen des wohl größten Stadtumbaus Berlins (der beidseitige Spreeraum zwischen der Jannowitz- und Elsenbrücke ist 8mal größer als der Potsdamer Platz). Auch ABRISS-BERLIN liefert einen neuen Beitrag, der erklären soll, warum Freiflächen und Lücken, wie am Spreeufer, erhaltenswert sind. Es gibt verschiedene Kino-Spots zum Thema. Der untenstehende beschreibt was passiert, wenn sich der Club der 21 Immobilienriesen durchsetzt.

Wer am Wahlkampf interessiert ist und an der politischen Meinungsbildung im Bezirk teilhaben will, kann schon morgen am 9. Juni um 19:00 Uhr im Yaam auf das Aktionstreffen der Kampagne kommen.

Was könnt ihr außerdem machen?:
Mit den Nachbarn, Kolleg_innen und Freunden darüber sprechen; Plakate kleben, entwerfen, in den Geschäften, auf der Arbeit und sonst überall aufhängen; Gemeinsam auf die Strasse gehen und demonstrieren; Spenden für Plakate und Broschüren (Spendenkonto: Rechtsanwalt Fadi El-Ghazi – Kontonr.: 1003 1340 93 – BLZ: 120 300 00 – Stichwort: „Bürgerbegehren Spreeufer für Alle“ – Deutsche Kredit Bank); Informationstische machen; Broschüren verteilen; Sa. 12.7., mit Eurer Unterstützung Spreeparade zu Lande, zu Wasser und in der Luft

Und wie waren die Freiräume-Aktionstage?

Militant.. Dieser nüchterne Befund scheint angebracht, wenn ihr euch die Verlautbarungen der Berliner Polizei und des Tickers zu den Freiräumetagen anschaut. Wer auf den Straßen unterwegs war und an den vielen spontanen Aktionen, Mini-Straßenfesten, Veranstaltungen und Partys teilgenommen hat, wird anderes in den Vordergrund rücken. Wir haben mal wieder was gemeinsam gemacht, gelacht, philosophiert und kritische Augenblicke zusammen durchlebt. Doch sowas hat keinen Nachrichtenwert – das ist nur für uns.
Nicht die Action war für uns der Grund für das bisschen Chaos auf den Straßen, sondern dem Glücksversprechen des Kapitalismus eine soziale Perspektive entgegenzusetzen.
Sehr am Herzen lag uns die kurzzeitige Wiedereröffnung des Beamer84, der zum Todestag des Hausprojekts Rigaer84 nochmal wiederbelebt wurde. Vielen Dank an alle, die das ermöglicht haben. Schon zur Halbzeit der Tage am Freitag wird auf Indymedia wild über Sinn und Unsinn diskutiert:

Wer heute in Berlin ein Haus besetzen will, der muss ein Bisschen mehr machen, als nur die Tür aufzuflexen. Eine Besetzung muss durch eine gute Öffentlichkeitsarbeit und politische Initiativen und Gespräche, bis in die Institutionen hinein vorbereitet werden. (…) Wer darüber hinaus eine breite Bewegung aufbauen will muss sich die schwarzen M99 Lederhandschuhe dreckig machen und in Kontakt mit dem Stadtteil und seiner Bevölkerung treten, und zwar auf gleicher Augenhöhe“

Eine akzeptable Auswertung der Freiräumetage liefert das frisch gegründete SzeneBerlin bzw. die Ergänzungen auf Indymedia Die Mutter-Kampagne der Actiondays, WBA zieht ebenfalls Bilanz.

Und wie kommen die Tage beim Rest der Welt an? Ein lustiges Zitat beim Hauptstadtblog:

Der Forderung nach Freiräumen und der berechtigte Kritik an der zunehmenden Gentrifizierung wird mit Mitteln aus den 70ern und 80ern Nachdruck verliehen (Hausbesetzung, Straßenschlachten, Autos anzünden)

Auch Schweineherbst, der Berliner Blogger, muss sich mit den Aktionstagen beschäftigen. Nicht zuletzt weil seine Mutter vermutet, dass er was mit den Unruhen zu tun hätte.