Pionierstimmung im Kiez..

An den neuen Rechnern im Laden bisschen durchs Netz gekrochen und interessantes zum Thema Gentrification gefunden.

2002 wurde auf Indymedia schon die Kommerzialisierung und Stadtumstrukturierung in Friedrichshain beklagt. Das XB (Liebigstr. 34) stehe schon in einem Reiseführer, heißt es da.. Ein Prozess an dem wir alle mitwirken:

„in der ersten phase entdecken nämlich die sog. „pioniere“ den heruntergekommenen kiez und finden seinen morbieden charme ganz interessant. bei diesen pionieren handelt es sich im weitesten sinne um junge künstler, studenten, hausbesetzer, alternative etc. sie sind (in bezug auf ihre wohnsituation) risikofreudig und lieben die „bunte mischung“ und machen den kiez attraktiv (häuser bunt anmalen; „besetzakneipen“ errichten, in die mit der zeit immer mehr leute kommen, weil sie den schrillen schick mal erleben wollen – das xb-liebig steht mittlerweile schon in nem französischen reiseführer; straßenfeste und eventuell sogar kiezrandale als erlebniskultur…
in der zweiten phase der gentrification kommen dann mehr und mehr leute in den kiez gezogen, die diese alternative mischung anzieht. sie sind weniger risikofreudig, ziehen daher erst nach, als absehbar wird, daß sich der versiffte kiez im umbruch befindet. das ist die erste generation der „gentrifier“, keine „yuppies“ im „linksradikalen“ sinne, eher ikea-liebhaber… diese phase könnte in friedrichshain etwa ab ’97 eingetreten sein, als es auf der simon-dach-str. 5-7 kneipen gab (das ist weniger als die heutigen 34, aber zeigt die entwicklung ab dem „conmux“, das ja genau aus diesem „pionier-mileu“ kommt)“.

Gleich mal in die frischen Häuser um zu gucken wie es ist, wenn saniert ist. Überzeugt euch selbst:

Und was sagen die TouristInnen zu diesen Vorwürfen?
Eine Darstellung von Squats in Berlin und dem Drumherum findet sich bei den travelqueeries:

„X-B, a fraunen.lesben.trans (womyn, lesbian, trans) housing project, is where we were headed. Housing projects are gigantic communal apartment buildings where people can live communally for cheap. Since squatting became illegal in Berlin many former squats have been bought and not developed; the occupants pay little rent and live similarly to how they did before. The housing collective is in the process of trying to buy the building so it can be even more collectively run.“

Weil uns die Selbstkritik nicht weiter hilft, um linke Freiräume zu erhalten machen wir gern andere für die Gentrifizierung in Friedrichshain dafür verantwortlich. Zum Beispiel das Friedrichshainer „Bündnis für Wirtschaft und Arbeit“. Zufällig ist der fiese Hausverwalter Tilo Tragsdorf (Factor-Immobilien) dort der Obermotz. Dieser tolle Arbeitskreis aus Privatwirtschaft und Bezirksamt hat sich neben den üblichen Fördermittel-Abgreifungs-Strategien für 2008 eine UnternehmerInnen –Schule Friedrichshain-Kreuzberg (Verein für Kunst, Kultur, Wirtschaft & Begegnung e.V. Knorrpromenade 9) ausgedacht. Nachzulesen im Protokoll vom AK1