Guantanamo auf Europäisch

Über 50 Interessierte nahmen am Mittwochabend an der Buchvorstellung „Guantanamo auf griechisch – Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat“ in Berlin im XB-Liebig teil, weil der Infoladen Daneben etwas zu klein für den Andrang war.
Am Anfang berichtete Heike Schrader, die das Buch aus dem griechischen übersetzt hat, über ihre Festnahme bei der Ankunft auf dem Flughafen Köln-Bonn am 9.12. Sie wurde zur Bundesanwaltschaft nach Karlsruhe gebracht und dem Vorwurf der Unterstützung der terrorisitschen Vereinigung DHKPC konfrontiert und gegen Kaution wiedr entlassen. Die Journalisten wohnt in Athen und darf wegen dem 129a-Vorwurf nun nicht mehr aus Deutschland ausreisen. Interview mit ihr
Das Buch ist ein Bericht des griechischen Gefangenen Savvas Xiros über die Tage und Wochen, wo er mehr tot als lebendig in der Intensivstation eines Athener Krankenhauses pausenlos verhört worden ist. Xiros war in der griechischen Stadtguerilla „17 November“ organisiert. Er wurde im Jahre 2002 bei der vorzeitigen Explosion einer Bombe so schwer verletzt, dass er bis heute schwere Schäden am ganzen Körper davon getragen hat und eigentlich haftunfähig ist. Trotzdem sitzt er weiter in Kleingruppenisolation im Gefängnis, sowie 9 andere Gefangenen. Grundlage der Urteile sind Aussagen, die Xiros gemacht hat, als er mit Medikamenten vollgepumpt in der Intensivstation pausenlos verhört wurde. Eigentlich dürften diese Aussagen nach rechtsstaatlichen Kriterien gar nicht verwendet werden. Xiros ist eigentlich auf Grund seiner schweren Verletzungen haftunfähig.
Die Forderung nach seiner Freilassung soll auch international bekannt gemacht werden. Vielleicht kann das Buch ebenso dazu beitragen, wie es den Fokus auf die Tatsche legen kann, dass Folter von Gefangenen längst schon in Europa Einzug gehalten hat. Die eindringliche Schilderung des Betroffenen könnte der Debatte eine persönliche Note geben.

Buchhinweis: Xiros Savras, Guantanamo auf griechisch, Zeitgenössische Folter im Rechtsstaat, Pahl-Rugenstein-Verlag, Bonn 2007, 132 Seiten, ISBN 978-3-89144394-1, 13,90 Euro